Winterliche Nyord-Tour - Overnighter im Shelter

Freitag, 30. Januar 2026
Serie Outdoor S2 • E4
Google Maps Escheburg
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Lesedauer: 23 Minuten

Anfang Januar wagte ich mich an mein erstes winterliches Shelter-Abenteuer auf Møn. Nach meiner herbstlichen Shelter-Übernachtung, bei der ich buchstäblich alle Register meiner Temperatur-Sicherheitsausrüstung ziehen musste, war ich gespannt, wie sich mein neues Wintersetup bei -3°C bewähren würde. Die zweitägige Wanderung führte mich von Ulvshale über die kleine Insel Nyord und zurück – eine Route, die mich nicht nur körperlich forderte, sondern auch mental an meine Grenzen brachte.

Was als entspannte Winterwanderung begann, entwickelte sich zu einer echten Bewährungsprobe: nicht ganz friedliche Galloways im dichten Eichenwald, eiskalter Gegenwind auf einer scheinbar endlosen Geraden und eine Nacht bei Minusgraden im offenen Shelter. Doch am Ende stand nicht nur die Erkenntnis, dass mein aufgerüstetes Equipment seinen Job macht, sondern auch die Gewissheit, dass mein lädiertes Knie auch längere Touren aushält.

In diesem Beitrag erfährst du, wie ich meine erste winterliche Shelter-Übernachtung auf Møn gemeistert habe, welches Equipment mich warm durch die Nacht brachte und warum ich nur knapp einem ordentlichen Schneesturm auf der Rückfahrt entkommen bin.


Kurze inhaltliche Übersicht



Vorbereitung auf die winterliche Shelter-Tour

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Die Entscheidung für Møn als Ziel meiner ersten winterlichen Shelter-Übernachtung fiel relativ spontan. Keinen besonderen Grund gab es dafür – außer vielleicht, dass ich die Gegend bereits kannte und wusste, dass es dort gut ausgeschilderte Wanderwege gibt.

Die Route sollte mich größtenteils über den Camønoen und die Møn-Rundt führen, zwei etablierte Wanderwege, die auch im Winter gut zu begehen sind.

Die eigentliche Herausforderung lag für mich aber nicht in der Routenwahl, sondern in der Temperaturproblematik.

Nach meiner herbstlichen Nybol Nor Runde, bei der ich bei deutlich milderen Bedingungen bereits alles an Sicherheitsausrüstung brauchte, um halbwegs vernünftig zu schlafen, hatte ich Respekt vor einer Nacht bei prognostizierten -3°C.


Bedenken nach der Herbsttour

Meine Bedenken waren durchaus berechtigt. Bei der herbstlichen Shelter-Übernachtung hatte ich bereits gemerkt, wie schnell man bei fallenden Temperaturen an seine Grenzen kommt. Damals musste ich buchstäblich alle Register ziehen: zusätzliche Kleidungsschichten, Notfall-Wärmequellen und eine strategische Platzierung im Shelter, um halbwegs warm zu bleiben.

Link: Meine Erfahrungen aus früheren Touren

Wenn du mehr über meine herbstliche Shelter-Übernachtung erfahren möchtest, schau dir meinen Beitrag zur herbstlichen Nybol Nor Runde an. Dort beschreibe ich, welche Herausforderungen ich meistern musste. Außerdem findest du Informationen zu meinem Übergangssetup für herbstliche Mehrtageswanderungen.

Genau deshalb hatte ich in der Zwischenzeit ordentlich nachgerüstet. Mein Übergangssetup für herbstliche Mehrtageswanderungen reichte mir nicht mehr aus – ich wollte ein System, dem ich auch bei Minusgraden vertrauen konnte.


Mein neues Wintersetup im Einsatz

Die Investition war nicht gerade günstig, aber nach meinen Erfahrungen im Herbst wusste ich, dass ich hier nicht sparen durfte. Ich setze nun auf die Nemo Tresor Extreme Conditions Isomatte in der Ausführung Long-Wide mit einem beeindruckenden R-Wert von 8.5 sowie den Zenbivy Ultralight Bed Quilt mit -12°C Grenztemperatur, Moschusentendaune und geschlossener Fußbox.

Information: Gear Reviews folgen

Zu beiden Teilen meines neuen Winterschlafsystems wird es in den kommenden Wochen noch ausführliche Gear Reviews geben, in denen ich detailliert auf die Vor- und Nachteile eingehe.

Die Kombination aus dieser hochisolierenden Isomatte und dem winterlichen Quilt sollte mir theoretisch genug Wärme bieten. Aber Theorie und Praxis sind bekanntlich zwei Paar Schuhe – besonders bei -3°C in einem offenen Shelter.


Tag 1: Von Ulvshale zum Shelter auf Nyord

Die Anfahrt nach Ulvshale betrug etwa 74 Kilometer. Am Strandparkplatz angekommen, schnürte ich meinen Rucksack fest und machte mich auf den Weg. Die Strecke für den ersten Tag sollte 9,23 Kilometer bei überschaubaren 20 Höhenmetern umfassen – auf dem Papier eine entspannte Nachmittagswanderung. Die tatsächliche Zeit von 2 Stunden und 15 Minuten sollte sich später als durchaus sportlich herausstellen.

Die Route führte mich zunächst ins Inland, weg von der Küste. Ich folgte den gut ausgeschilderten Markierungen und freute mich auf den dichten Wald, der laut meiner Planung den ersten Abschnitt prägen sollte.


Durch den Wald der Margarete-Eichen

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Der Wald empfing mich mit einer beeindruckenden Stille. Überall ragten massive Eichen in den winterlichen Himmel – die sogenannten Margarete-Eichen.

Diese Bezeichnung tragen besonders dicke, alte Eichen und hier standen einige von diesen Exemplaren. Ihre knorrigen Stämme und ausladenden Äste, jetzt im Winter ohne Laub, hatten etwas Mystisches an sich.

Ich genoss die ersten Kilometer durch den Wald, atmete die frische, kalte Luft ein und fand schnell meinen Rhythmus. Der Boden war fest gefroren, was das Gehen angenehm machte – kein Matsch, keine rutschigen Passagen. Perfekte Bedingungen eigentlich.


Unerwartete Begegnung mit Galloways

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Doch dann wurde es unerwartet brenzlig. Zwischen den Bäumen tauchten plötzlich mehrere Galloways auf – die robusten, zotteligen Rinder, die man in Dänemark oft zur Landschaftspflege einsetzt.

Normalerweise sind diese Tiere recht friedlich, aber diese Gruppe schien nicht besonders erfreut über meinen Besuch zu sein.

Die Tiere begannen sich auf mich zuzubewegen und ihre Körpersprache war alles andere als entspannt. Ich spürte, wie mein Puls hochging. In solchen Situationen ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und keine hektischen Bewegungen zu machen.

Tipp: Richtiges Verhalten bei Weidevieh

Wenn du auf deiner Wanderung auf nicht friedlich gestimmte Rinder triffst, gilt: Halte Blickkontakt, aber vermeide direkten Augenkontakt, da das als Bedrohung interpretiert werden kann. Bewege dich langsam und kontrolliert rückwärts aus der Situation heraus. Drehe dem Tier niemals den Rücken zu und renne nicht weg. Wichtig ist, dass du dem Tier zeigst, dass du dich zurückziehst, ohne Angst oder Aggression auszustrahlen.

Ich hielt also Blickkontakt ohne die Tiere direkt anzustarren und zog mich langsam rückwärts gehend zurück. Nach einigen bangen Momenten verloren die Galloways das Interesse an mir und wandten sich ab. Mein Herz hämmerte noch eine Weile weiter, aber ich hatte die Situation gemeistert.


Die mentale Herausforderung: 3 km gegen den Wind

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Nach der Galloway-Begegnung erreichte ich die schmale Brücke, die Møn mit der kleinen Insel Nyord verbindet. Die Enge zwischen den beiden Inseln wirkte malerisch, doch kaum hatte ich die Brücke überquert, traf mich die volle Wucht des Winters.

Vor mir lag eine schnurgerade Straße, die sich scheinbar endlos in die Ferne zog. Und genau von vorne kam ein eiskalter, starker Wind, der mir buchstäblich den Atem raubte. Drei Kilometer Gerade, kein Windschutz, keine Ablenkung – nur ich, der Wind und die Straße.

Das war die größte mentale Herausforderung der Tour. Körperlich war es machbar, aber der konstante Gegenwind, die Kälte, die mir ins Gesicht peitschte und die scheinbar nicht enden wollende Gerade zehrten an meiner Motivation. Ich musste mir immer wieder selbst gut zureden.

"Embrace the suck", wiederholte ich mir Mantra-artig immer und immer wieder. Und dann erinnerte ich mich daran, wie viel Glück ich eigentlich hatte: Es regnete nicht, es schneite nicht – nur Wind und Kälte. "Embrace the suck" ist eine der wichtigsten Lektionen im Thru-Hiking. Es gibt Momente, die einfach unangenehm sind und der einzige Weg hindurch ist, sie anzunehmen und weiterzugehen.

Schritt für Schritt arbeitete ich mich voran. Irgendwann – es fühlte sich wie eine Ewigkeit an – erreichte ich das Ende der Geraden und bog in Richtung Nyord Sogn ab.


Rundgang durch Nyord Sogn

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Das kleine Dorf Nyord Sogn empfing mich mit seiner typisch dänischen Beschaulichkeit. Die bunten Häuser, die engen Gassen und vor allem die kleine Rundkirche bildeten einen willkommenen Kontrast zur rauen Natur, die mich die letzten Stunden begleitet hatte.

Ich nahm mir Zeit für einen kurzen Rundgang und besichtigte die schnuckelige Rundkirche. Diese runden Kirchen sind eine Besonderheit in Dänemark und jedes Mal, wenn ich eine sehe, fasziniert mich ihre kompakte, wehrhaft wirkende Bauweise. Im Mittelalter dienten sie nicht nur als Gotteshäuser, sondern auch als Schutzräume.

Nach dieser kulturellen Pause ging es noch etwa einen Kilometer wieder aus dem Ort hinaus zum lokalen Shelterplatz. Die Vorfreude stieg – endlich konnte ich meinen Rucksack absetzen und mich einrichten.


Ankunft am Shelterplatz

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Der Shelterplatz auf Nyord besteht aus vier offenen Sheltern, typisch für Dänemark. Jedes Shelter hat eine offene Seite zum Gelände hin, davor eine Feuerstelle mit Grillrost. Über das gesamte Areal verteilt stehen mehrere Holzbänke mit Tischen und es gab sogar ein kleines Toilettenhäuschen. Eine durchaus solide wenn nicht sogar luxuriöse Infrastruktur für Wildcamper.

Ich wählte auf Basis der prognostizierten Windrichtung einen der Shelter aus und begann, mein Equipment aufzubauen. Zuerst breitete ich die Nemo Tresor Isomatte aus. Das Teil ist bzgl. ihrer Wärmeisolation (R-Wert 8.5!) wirklich massiv. Aber genau das sollte mir ja die nötige Isolation zum eiskalten Boden bieten. Darauf kam mein neuer Zenbivy Quilt, den ich kräftig aufschüttelte und dann sorgfältig positionierte.

Hinweis: Shelter-Reservierung

Die Shelter auf Nyord müssen nicht zwingend vorher reserviert werden. In der kälteren Jahreszeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle belegt sind, relativ gering. Wenn du aber in den wärmeren Monaten einen sicheren Übernachtungsplatz haben möchtest, solltest du definitiv reservieren. Im Sommer und Herbst können die Shelter schnell ausgebucht sein.

Nachdem ich mein Schlaf-Setup eingerichtet hatte, machte ich mich daran, mein Abendessen zuzubereiten. Ich holte meinen Soto Amicus Gaskocher und das Fire Mapple MC-207 Kochgeschirr heraus. Auf dem Speiseplan stand eine selbst angemischte Mahlzeit aus Instantnudeln, gefriergetrocknetem Gemüse und Hühnerbrühensauce – einfach, aber effektiv.

Dazu gönnte ich mir zwei Tassen heiße Zitrone, die mich von innen wärmten. Ich hatte zwei Liter Wasser dabei, was für die Tour ausreichte. Am Shelterplatz gab es zwar einen Wasserhahn, aber der war winterbedingt abgestellt – darauf sollte man sich also nicht verlassen.

Link: Route Tag 1

Die Route vom ersten Tag führte vom Strandparkplatz Ulvshale zum Shelterplatz auf Nyord: 9,23 Kilometer, 20 Höhenmeter, etwa 2:15 Stunden Gehzeit. Die genaue Strecke findest du auf Komoot.



Die Nacht im Shelter bei -3°C

Nach dem Essen ließ ich mich zunächst auf einer der Holzbänke nieder und genoss die Ruhe des Abends. Die Temperatur sank spürbar und ich merkte, wie wichtig es war, in Bewegung zu bleiben oder sich rechtzeitig warm anzuziehen. Der Shelter bot zwar Schutz vor direktem Wind, aber die offene Seite ließ die Kälte ungehindert herein.


Spontaner Shelter-Umzug

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Gerade als ich es mir in meinem ausgewählten Shelter gemütlich gemacht hatte, bemerkte ich eine unangenehme Veränderung: Der Wind hatte gedreht. Und mit ihm kam plötzlich eine Mischung aus Schnee und Regen direkt in meinen Shelter hinein.

Das war natürlich keine Option. Bei -3°C kann man sich keine feuchte Ausrüstung leisten. Also packte ich mein gesamtes Setup wieder zusammen und zog in einen der anderen Shelter um, der besser gegen die neue Windrichtung geschützt war. Das kostete zwar etwas Zeit und Energie, aber es war die absolut richtige Entscheidung.

Im neuen Shelter richtete ich mich erneut ein und wartete ab, bis die Wolkendecke endlich aufriss. Die Geduld wurde belohnt: Als sich der Himmel klarte, bot sich mir ein atemberaubender Sternenhimmel. Trotz des fast vollen Mondes leuchteten die Sterne unglaublich hell – die fehlende Lichtverschmutzung rings um den Shelterplatz machte den Nachthimmel zu einem wahren Spektakel. In der winterlichen Klarheit konnte ich sogar die Milchstraße erkennen und die Stille wurde nur vom gelegentlichen Rauschen des Windes unterbrochen.

Ich stand noch eine Weile draußen und sog diesen Moment auf. Solche Augenblicke machen das Wildcampen im Winter so besonders – die Natur zeigt sich von ihrer rauen, aber auch unendlich schönen Seite.

Schließlich bereitete ich mich auf die Nacht vor. Ich füllte meine 0,5-Liter-Flasche mit heißem Wasser und verpackte sie wasserdicht in einem Drybag – eine improvisierte Wärmflasche, die ich direkt in den Quilt packte. Außerdem füllte ich meinen Fire Mapple Becher mit so viel Wasser, wie ich am nächsten Morgen zum Kaffee und Frühstück brauchte. Falls meine 1,5-Liter-Flasche über Nacht gefrieren sollte, könnte ich den Becher einfach direkt auf den Kocher stellen und das Eis darin auftauen – eine einfache, aber effektive Vorsichtsmaßnahme.

Dann zog ich mich um und schlüpfte in mein Schlafsystem. Das Umziehen bei diesen Temperaturen ist definitiv der unangenehmste Teil der ganzen Angelegenheit. Die eiskalte Luft auf der nackten Haut, die fummeligen Bewegungen mit kalten Fingern – das ist jedes Mal eine kleine Überwindung.

Bevor ich in den Quilt stieg, verstaute ich alle elektronischen Geräte – Smartphone, Powerbank, Kopflampe – in meinem Schlafsack. Bei diesen Temperaturen entladen sich Akkus deutlich schneller und wenn man sie warm hält, funktionieren sie am nächsten Morgen noch zuverlässig.


Wie warm war mein neues Setup wirklich?

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Bevor ich letztlich in mein Schlafsystem schlüpfte, machte ich zum Aufwärmen noch ein paar Übungen. Das aber in einer Intensität, dass ich nicht ins Schwitzen kam. Als ich dann in meinen neuen Zenbivy Quilt schlüpfte, spürte ich sofort den Unterschied zu meinem alten Setup.

Die geschlossene Fußbox hielt meine Füße mollig warm und die Moschusentendaune begann schnell, meine Körperwärme zu speichern. Die Nemo Tresor Isomatte darunter schirmte mich perfekt vom gefrorenen Boden ab. Ich spürte im Gegensatz zu meiner herbstlichen Shelter-Übernachtung keine Kälte von unten.

Tipp: Zeit zwischen Dunkelheit und Schlaf überbrücken

Im Winter wird es früh dunkel und oft ist man noch nicht müde genug zum Schlafen. Ich nutze diese Zeit, um Podcasts zu hören – das verkürzt die lange Wartezeit und lenkt von der Kälte ab. Auch ein gutes Hörbuch funktioniert hervorragend. Wichtig ist, dass du dein Smartphone oder MP3-Player warm hältst, da Akkus bei Kälte schneller entladen.

Ich verbrachte noch einige Zeit damit, Podcasts zu hören und so die lange Zeitspanne zwischen Dunkelwerden und Schlafenszeit zu überbrücken. Das ist im Winter immer eine Herausforderung – es wird bereits gegen 16:30 Uhr dunkel, aber um diese Zeit möchte man noch nicht schlafen gehen.

Als ich schließlich einschlief, war ich angenehm warm und das änderte sich im Verlauf der Nacht auch nicht. Keine kalten Füße, kein Frieren an den Schultern oder am Rücken. Mein neues Winterschlafsystem hatte seine Bewährungsprobe bestanden. Die -3°C machten mir in meinem Quilt nichts aus – ich lag mollig warm und schlief erstaunlich gut.


Tag 2: Rückweg durch die Küstenlandschaft

Die Nacht war vorbei und die Morgendämmerung kündigte sich an. Die Temperatur war über Nacht noch weiter gesunken und hatte ihren Tiefpunkt bei -3°C erreicht. In meinem warmen Schlafsystem fühlte ich mich richtig wohl, aber ich wusste auch, dass sobald ich es verlassen und mich umziehen würde, es wieder richtig ungemütlich wird.


Morgenroutine bei Minusgraden

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Das Umziehen war genau so unangenehm, wie ich es befürchtet hatte. Die eiskalte Luft auf der Haut, die steifen Bewegungen – alles ging langsamer als sonst. Ich zog mich so schnell wie möglich warm an und machte mich dann sofort an die nächste wärmende Aktivität: Wasser aufsetzen.

Während mein Gaskocher arbeitete, packte ich bereits meine Ausrüstung zusammen. Das Multitasking half mir, Zeit zu sparen und gleichzeitig in Bewegung zu bleiben. Sobald das Wasser heiß war, bereitete ich mir zwei Tassen Cappuccino-Schoko-Getränkepulver zu – eine herrliche Kombination aus Wärme, Koffein und Zucker, genau das Richtige an einem frostigen Morgen.

Zum Frühstück gab es eine weitere Portion meiner selbst angemischten Mahlzeit, diesmal mit Instantnudeln, gefriergetrocknetem Gemüse und Tomatensauce. Simpel, aber sättigend und warm – mehr braucht man nicht.

Gut gestärkt und mit vollem Rucksack machte ich mich auf den Rückweg. Die Strecke würde mit 12 Kilometern etwas länger sein als am Vortag, aber ich fühlte mich gut – sowohl körperlich als auch mental.


Die malerische Ostseeküste

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Der Rückweg begann wie der Hinweg: die gefürchtete Gerade entlang und dann über die Brücke. Allerdings hatte sich der Wind gelegt und die Sonne kämpfte sich immer mal kurz durch die Wolken – das machte einen gewaltigen Unterschied. Was gestern zur mentalen Herausforderung wurde, war heute ein entspannter Spaziergang.

Nach der Brücke bog ich jedoch nicht wieder in den Wald ab, sondern folgte der Route entlang der Ostseeküste. Und das war eine hervorragende Entscheidung. Die Küstenlandschaft präsentierte sich in ihrer ganzen winterlichen Schönheit: ausgedehnte Schilfgürtel, die im Wind wogten, gefrorene Strandabschnitte und das tiefblaue Meer.

Ich genoss jeden Schritt auf diesem Abschnitt. Die Landschaft war abwechslungsreich, es gab ständig etwas Neues zu sehen und die frische Seeluft tat nach der Nacht im Shelter richtig gut. Möwen kreisten über dem Wasser und ab und zu entdeckte ich Spuren von Rehen im gefrorenen Sand. Auf einer Koppel sah ich außerdem Galloways und Wildpferde – diesmal deutlich friedlicher gesinnt als die Tiere vom Vortag im Wald.

Schließlich querte ich die Halbinsel Ulvshale von Ost nach West und erreichte nach etwa drei Stunden wohlbehalten den Strandparkplatz. Mein Knie hatte die gesamte Tour ohne Probleme mitgemacht – eine wichtige Erkenntnis nach meiner Meniskusverletzung. Das war nun bereits der vierte und fünfte Tag in Folge mit längeren Wanderungen.

Link: Route Tag 2

Die Route vom zweiten Tag führte vom Shelterplatz auf Nyord zurück zum Strandparkplatz Ulvshale: 12 Kilometer, 20 Höhenmeter, etwa 3 Stunden Gehzeit. Die genaue Strecke findest du auf Komoot.


Knapp dem Schneesturm entkommen

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Als ich meine Sachen im Auto verstaute, ahnte ich noch nicht, wie perfekt mein Timing gewesen war. Keine 15 Minuten nachdem ich losgefahren war, verdunkelte sich der Himmel auf dramatische Weise. Was folgte, war ein Schneesturm, wie ich ihn in Dänemark noch nie erlebt hatte.

Innerhalb von etwa 20 Minuten fielen locker 30cm Schnee. Bei den eisigen -2°C blieb der Schnee natürlich liegen und der mittlerweile wieder starke, böige Wind türmte ihn zu beachtlichen Schneeverwehungen auf. Es wurde quasi am hellichten Tag stockfinster – ein surreales Erlebnis.

Der Verkehr kroch mit 30 bis 50 km/h über die total verschneiten Straßen. Ich war froh, dass ich bereits auf dem Rückweg war und nicht mehr draußen unterwegs sein musste. Die Windböen schüttelten mein Auto, die Sicht war teilweise auf wenige Meter reduziert und die nun weißen Straßen verschwammen mit der Umgebung.

Doch ich kam heil am Ferienhaus an. Das Gefühl der Erleichterung war groß – nicht nur, weil ich sicher angekommen war, sondern auch, weil mir bewusst wurde, wie knapp ich diesem Wetterumschwung entgangen war. Wäre ich noch auf der Strecke gewesen oder hätte eine Nacht länger im Shelter verbracht, wäre die Situation deutlich unangenehmer geworden.

Manchmal hat man einfach das richtige Timing – und dieses Mal stand das Glück definitiv auf meiner Seite.


Fazit: Winter-Sheltering auf Møn

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Meine erste winterliche Shelter-Übernachtung auf Møn war ein voller Erfolg, auch wenn sie mich an einigen Stellen durchaus herausgefordert hat. Die Tour hat mir mehrere wichtige Erkenntnisse gebracht, die ich gerne mit dir teilen möchte.

Mein neues Winterschlafsystem aus der Nemo Tresor Extreme Conditions Isomatte und dem Zenbivy Ultralight Bed Quilt hat seine Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Bei -3°C lag ich mollig warm im Shelter und hatte keine kalten Füße oder andere Probleme. Die Investition hat sich definitiv gelohnt und ich fühle mich nun deutlich sicherer für kommende Wintertouren.

Mein nach der Meniskusverletzung lädiertes Knie hat nun auch den vierten und fünften Tag in Folge mit längeren Wanderungen problemlos gemeistert. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich auch längere Mehrtageswanderungen wieder angehen kann, ohne Angst vor Schmerzen oder Rückschlägen haben zu müssen.

Die mentalen Herausforderungen sind im Winter nicht zu unterschätzen. Die 3-Kilometer-Gerade gegen den eiskalten Wind hat mir mehr zugesetzt als jeder steile Anstieg. Hier ist es wichtig, sich selbst gut zuzureden und die Situation anzunehmen – "Embrace the suck" ist kein leeres Motto, sondern eine echte Überlebensstrategie für schwierige Momente.

Respekt vor der Natur zahlt sich aus. Die Galloway-Begegnung hätte böse ausgehen können, wenn ich panisch reagiert hätte. Ruhiges, besonnenes Verhalten in solchen Situationen ist entscheidend.

Und nicht zuletzt: Das Timing kann entscheidend sein. Das ich dem Schneesturm so knapp entkommen bin, war pures Glück. Man sollte immer einen Puffer einplanen und die Wettervorhersage ernst nehmen – im Winter kann das Wetter innerhalb von Minuten umschlagen.

Würde ich die Tour empfehlen? Auf jeden Fall – aber mit der klaren Einschränkung, dass du bereits Erfahrung mit Zelten oder Sheltern im Sommer und idealerweise auch im Herbst haben solltest. Eine winterliche Shelter-Übernachtung ist definitiv etwas für Fortgeschrittene, nicht für Einsteiger. Du musst dein Equipment kennen, wissen, wie dein Körper auf Kälte reagiert und auch mental auf die Herausforderungen vorbereitet sein.

Wenn du diese Voraussetzungen erfüllst, bietet Møn mit seinen gut ausgeschilderten Wanderwegen auf dem Camønoen und der Møn-Rundt eine fantastische Möglichkeit für eine winterliche Zweitagestour. Die Landschaft ist wunderschön, die Infrastruktur mit den Sheltern gut und die Herausforderungen halten sich in Grenzen – solange man gut vorbereitet ist.

Für mich war es eine Tour, die mir gezeigt hat, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Mein Equipment stimmt, mein Körper hält mit und mental bin ich bereit für weitere Winterabenteuer. Die nächste winterliche Mehrtageswanderung kann kommen.

Link: Meine Packliste für die Tour

Falls du dich für meine komplette Ausrüstung auf dieser winterlichen Shelter-Tour interessierst, kannst du meine detaillierte Packliste auf LighterPack einsehen.



Hast du auch schon Erfahrungen mit winterlichen Shelter-Übernachtungen gemacht oder planst du deine erste Tour? Ich würde mich freuen, von deinen Erlebnissen zu hören oder deine Fragen zu beantworten. Schreib mir gerne über mein Kontaktformular – ich antworte auf jede Nachricht persönlich!


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