Kajaktour in Schweden: Wildcamping am Lelång

Freitag, 21. August 2026
Serie Outdoor S2 • E32
Google Maps Escheburg
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Lesedauer: 20 Minuten

Schweden, ein einsamer See, zwei Kajaks und eine Woche fernab der Zivilisation. So hatten meine elfjährigen Tochter und ich uns das Sommerabenteuer ausgemalt. Nach über eineinhalb Jahren intensiver Beschäftigung mit dem autarken Weitwandern und Wildcampen wollte ich den nächsten Schritt gehen und das Element wechseln, raus aufs Wasser und rein in die schwedische Wildnis.

Der Lelång im Herzen von Dalsland gilt als eines der schönsten Paddelreviere Europas. Genau dorthin zog es uns, mit gemieteten Einer-Kajaks, vollgepackten Drybags und jeder Menge Vorfreude. Was als großes Vater-Tochter-Abenteuer geplant war, nahm allerdings eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf unsere Kajaktour auf dem Lelång, von der Anreise und dem Start am Bootshaus über den ersten Paddeltag und unsere Nacht im Wildcamp bis zur Rückkehr an den Bootsverleih. Anschließend lege ich offen, welche Faktoren am Ende den Ausschlag zum Abbruch gaben, wie meine Tochter und ich gemeinsam damit umgingen und welche meiner Learnings du vielleicht für dein eigenes Kajakabenteuer in Schweden mitnehmen kannst.


Kurze inhaltliche Übersicht



Der Start unserer Kajaktour auf dem Lelång

Die Idee war schnell geboren. Nachdem meine Tochter und ich beim Wildcampen zu Fuß schon ein gutes Team geworden waren, sollte es diesmal aufs Wasser gehen. Eine Woche autark mit dem Kajak, sieben Tage, sechs Nächte, komplett auf uns gestellt. Gebucht haben wir zwei Einer-Kajaks beim Bootshaus in Bengtsfors, direkt am Lelång gelegen.

Der grobe Tourplan stand schon vor der Abreise. Wir hatten mit dem Bootsverleiher rund zehn Kilometer pro Tag abgesprochen, inklusive eines vernünftigen Umkehrpunkts, damit wir pünktlich und ohne Hetze zurück sein würden. Auf dem Papier klang das nach einem entspannten, gut kalkulierten Abenteuer.


Anreise und Start am Bootshaus

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Die Anreise nach Schweden war ein Abenteuer für sich und zog sich über anderthalb Tage hin. Als wir endlich am Bootshaus ankamen, wich die Müdigkeit schnell der Vorfreude.

Der Verleih liegt malerisch auf einer Landzunge im Lelång, ein Startpunkt, wie man ihn sich für eine Kajaktour in Schweden kaum schöner wünschen könnte. Allerdings gibt es zwischen dem angebotenen Parkplatz und dem Steg einen starken Höhenunterschied, der über Stufen oder recht steiles Gelände überwunden werden muss.

Vom Team vor Ort bekamen wir nicht nur die Boote, sondern auch wertvolle Empfehlungen mit auf den Weg, von den passenden Apps (siehe Auflistung im Fazit) bis zu den Spielregeln auf dem Wasser. Genau diese Hinweise sollten später eine größere Rolle spielen, als mir in dem Moment bewusst war.

Information: Die Nutzung der DANOs ist kostenpflichtig

Wild zelten darfst du in Schweden dank Jedermannsrecht fast überall kostenfrei. Die offiziellen Lagerplätze im Seensystem Dalsland Nordmarken, kurz DANOs, sind davon aber ausgenommen und kosten aus gutem Grund Geld. Betreut werden sie vom gemeinnützigen Verein DANO, der sie mit Windschutz, Trockentoiletten und teils sogar Feuerholz ausstattet.

Um dort übernachten zu dürfen, brauchst du die sogenannte Naturvårdskort. Diese kostet aktuell 80 SEK pro Person und Nacht. Kinder unter zwölf Jahren sind kostenfrei. Für unsere sechs Nächte lag ich damit bei rund 480 SEK.


Beladen und Ablegen auf dem Lelång

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Was meine Tochter und mich beim Beladen der beiden Kajaks am meisten überraschte, war der üppige Stauraum eines Einer-Kajaks. Unsere zahlreichen und nach Themen gepackten Drybags verschwanden problemlos in den beiden Luken der beiden Kajaks und trotzdem blieb noch reichlich Platz übrig.

Für ein autarkes Abenteuer war das eine beruhigende Erkenntnis, denn ich hatte eigentlich damit gerechnet, beim Beladen noch Ausrüstung selektieren zu müssen.

Dann stachen wir voller Vorfreude zum ersten Mal in See. Bei kräftigem Rückenwind glitten wir über das Wasser und in diesem Moment stellte sich schon noch das große Kribbeln ein. Nach gut 4 Monaten grober Planung und am Ende gut drei Wochen sehr intensiver Planung war diese nun Realität geworden und wir waren endlich mitten drin in unserem erhofften einsamen Outdoor-Abenteuer.


Der erste Paddeltag auf dem Lelång-See

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Bei einem Rückenwind von rund vier Beaufort kamen wir gut voran. Auf den teils schon recht hohen Wellen surfend machten wir gegen 14 Uhr trotzdem unsere erste Rast und waren zu diesem Zeitpunkt schon weiter vorangekommen, als für den ersten halben Tag eigentlich geplant.

In der einzigen kleinen, idyllischen Buchten mit seichtem Sandstrand weit und breit landeten wir an und kochten uns eine kräftigende Nudelsuppe. In diesem Moment saßen wir bei Sonne und Wasser mitten in der schwedischen Natur und meine Tochter und ich erlebten genau das, wofür wir hergekommen waren.

Genau solche Buchten blieben allerdings die absolute Ausnahme. Schon auf den ersten Kilometern wurde spürbar, dass sich Erwartung und Realität hier auseinanderbewegten. Wir hatten uns weite, einsame Wasserflächen ausgemalt, tatsächlich teilten wir den See mit erstaunlich vielen anderen Paddlern. Noch nahm ich das gelassen, es sollte sich aber noch ein entscheidender Faktor für unsere Tour werden.


Kentern beim Einsteigen

Der erste Dämpfer kam dann prompt beim Wiedereinstieg. Einen Moment wohl nicht richtig aufgepasst und plötzlich kippte ich seitlich um. Wunderbar, war ich jetzt doch vom Bauchnabel abwärts patschnass. Zum Glück war das Wasser erstaunlich warm und bei Sonnenschein war das halb so wild. Es war aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass genau dieser Moment, das Ein- und Aussteigen am Ufer, eines der zahlreichen, mir aber durchaus bekannten Risiken einer Kajaktour ist.

Was am Sandstrand noch harmlos war, wurde später an den steilen, felsigen Ufern zum echten Problem. Ein voll beladenes Kajak bei Wellengang zu betreten oder zu verlassen, verlangt Technik und Übung und beides hatte ich im Vorfeld zwar nicht unterschätzt. Ein bisschen mehr Übung hätte aber trotzdem gut getan...

Tipp: Übe vorab das Beladen, Tragen sowie Ein- und Aussteigen

Wenn du eine Kajaktour mit Wildcamping planst, teste vorher nicht nur das reine Paddeln. Belade die Kajaks einmal komplett, trage sie selbst zu Wasser und übe das Ein- und Aussteigen am Ufer und am Steg, idealerweise bei etwas Wellengang. Genau diese Handgriffe entscheiden im Ernstfall über Sicherheit und Nerven. Lege dir außerdem trockene Wechselkleidung so griffbereit, dass du sie nach einem unfreiwilligen Bad leicht erreichst, ohne erst alle Drybags durchwühlen zu müssen.


Lagerplatzsuche am DANO 59

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Nach der Pause brachen wir mit dem klaren Ziel auf, den Lagerplatz DANO 59 bei Herrenäs zu erreichen. Als wir dort ankamen, war der Platz allerdings schon reichlich belegt. Genau das hatte ich mir trotz Ferienzeit etwas anders vorgestellt. Wir waren losgezogen, um Ruhe und Abgeschiedenheit zu erleben und standen nun vor einem gut gefüllten Lagerplatz.

Also versuchten wir, weiterzufahren und eine Alternative zu finden. Doch überall zog sich die felsige, steile Uferlinie bis ins Wasser oder der bis ans Ufer reichende Wald war viel zu Dicht und bot somit keinerlei Möglichkeit zur Errichtung eines halbwegs brauchbaren Lagers. An ein spontanes Anlanden war schlicht nicht zu denken und die Vorstellung, notfalls das Jedermannsrecht zu nutzen, löste sich mit jedem Meter weiter in Wohlgefallen auf.

Also kehrten wir um und gingen bei inzwischen kräftigerem Wind und hohen Wellen doch am DANO 59 an Land. Die Kajaks mussten wir laut Vertrag komplett an Land bringen, schwer beladen, über Wurzeln, Baumstämme und eine ordentliche Steigung. Bei fast vollständig belegtem Lagerplatz war das ein echter Kraftakt und zwar nicht nur für meine Tochter, sondern auch für mich. Außerdem war es schwer, überhaupt noch einen Flecken Land zu finden, wo unser Kajaks hinpassen würden.


Wildcamping am Lelång: unsere erste Nacht

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Einen Stellplatz für unser Zelt, ein 3F UL Gear Qingkong 3, zu finden, war gar nicht so leicht. Zum Glück hatte ich ein Pärchen angesprochen, das sich als deutsche Landsleute mit reichlich Erfahrung an genau diesem Lagerplatz entpuppte. Diese Ortskenntnis war Gold wert und bewahrte uns vor zwei Fehlgriffen.

Denn eine augenscheinlich sehr gute, weil ebene Fläche entpuppte sich als zu nah an einer ehemaligen, sowie einer gerade aktiven Latrine und mit entsprechend strenger Geruchsbelästigung war zu rechnen.

Bei einer anderen, wirklich schönen Stelle stand ein sogenannter Widow Maker, also ein Totbaum, den ein Blitz sogar schon gespalten hatte und der bei der aktuellen Windrichtung genau in Richtung dieser Fläche hätte fallen können.

So blieb uns am Ende nur ein ebener, aber dem Wind voll ausgesetzter Platz, der nur fünf Meter vom Ufer und nur zwei Meter von einem anderen deutschen Pärchen entfernt lag.

Der Aufbau lief dann wie am Schnürchen. Meine Tochter richtete ihr Schlafsystem völlig eigenständig ein, das Lager stand schnell und routiniert. An unseren Wildcamping-Fähigkeiten lag es an diesem Abend also definitiv nicht und das gab mir wieder ein besseres Gefühl.

Weil wir an frühen Nachmittag reichlich gegessen hatten, reichten uns abends ein paar Snacks und Getränke. Meine Tochter klagte nach dem Aufbau allerdings über Kopfschmerzen, denn tagsüber hatte sie vermutlich schlicht zu wenig getrunken. Nach ordentlich Wasserzufuhr und einem einstündigen Nickerchen war der Spuk aber vorbei und gegen 22 Uhr ging es entspannt in unsere erste gemeinsame Wildcamping-Nacht.

Die Nacht selbst war überraschend erholsam. Von einer kurzen Schnarchattacke des nur zwei Meter neben uns lagernden Paares abgesehen, schliefen wir beide mollig warm und tief und das trotz des lauten Windes in den Bäumen. Am Morgen sollte sich mein Blick auf die Tour allerdings grundlegend ändern.


Der Morgen unserer Abbruch-Entscheidung

Als ich gegen 7:30 Uhr aufwachte, warf ich als Erstes einen Blick in die Wetter-App. Was ich dort sah, ließ mich schlagartig ins Grübeln kommen. Aus dem entspannten Abenteuer mit einer durchweg sehr guten Wetterprognose wurde binnen Minuten eine nüchterne Risikoabwägung.

Die Vorhersage sah alles andere als harmlos aus und beinhaltete plötzlich nicht nur zwei zwei- bis dreistündige Starkregenereignisse, sondern auch intensive Gewitter. Das Negative daran war, dass diese Vorhersage durch die Regenradarbilder absolut nichts gutes erwarten lies.

Zusammen mit den Schwierigkeiten des Vortags beim Anlanden begann ich, Risiken zu benennen und abzuwägen. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass hier mehr auf dem Spiel stand als ein bisschen Regen.

Besonders wichtig war mir bei der letztlichen Entscheidungsfindung der Punkt, nicht über den Kopf meiner Tochter hinweg zu entscheiden. Als sie gegen acht Uhr wach wurde, sprach ich offen mit ihr über meine Gedanken. Wir wogen gemeinsam ab, was sie sich zutraut, wie sie sich aktuell mit dem vermutlich bevorstehenden Szenario fühlt und was ihr vielleicht sogar Angst macht.

So trafen wir die Entscheidung zusammen. Wir brechen ab, aus Sicherheitsgründen, mit klarem Kopf und dem Ziel, möglichst schnell, aber vor allem sicher zum Bootsverleih zurückzukehren.

Zitat von Ed Viesturs

Den Gipfel zu erreichen ist freiwillig. Zurückzukommen ist Pflicht.


Die Rückkehr zum Bootsverleih

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Nachdem wir das Lager in gewohnter Teamarbeit erstaunlich schnell abgebaut und in Ruhe gefrühstückt hatten, packten wir die Kajaks und brachten sie zurück ins vom Wellengang unruhige Wasser.

Beim Einsteigen half ich meiner Tochter und mir selbst half zum Glück ein anderer Paddler, sodass mir diesmal ein morgendliches Bad erspart blieb.

Auf dem See wurde das Ausmaß des Andrangs nun endgültig deutlich. Überall waren kleine und große Gruppen unterwegs und steuerten schon am Vormittag die Lagerplätze an. Unsere Erfahrung vom Vortag war also kein Ausreißer und der tägliche Kampf um einen brauchbaren Lagerplatz war mehr als Relaität. Im Nachhinein kann ich sagen, dass uns das in unserer Entscheidung bestärkte.

Mit kurzen Verschnaufpausen kamen wir überraschend gut voran und landeten mittags und damit mindestens eine Stunde früher als von mir kalkuliert wieder am Bootshaus an.

Kaum hatten wir die Ausrüstung im Auto verstaut, begann es zu regnen, erst leicht, dann wirklich heftig. In der Ferne, genau dort, wo wir bei Fortsetzung der Tour gewesen wären, grollte deutlich der Donner.


Warum wir die Kajaktour abgebrochen haben

Mit etwas Abstand möchte ich die Gründe, die uns zum Abbruch bewogen haben, ganz transparent aufschlüsseln. Es war nie ein einzelner Faktor, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Punkte, die sich an jenem Morgen zu einem für uns klaren Bild fügten.


Wind und Gewitter als größtes Risiko

Die Vorhersage kündigte für den Nachmittag und Abend nicht nur starke Regenfenster, sondern auch kräftige Gewitter an. Zusätzlich sollte der Wind von vier auf sechs Beaufort zunehmen und das ausgerechnet aus Süd, also genau gegen unsere Rückrichtung.

Für mich als Kajak-Anfänger war das eine gefährliche Kombination. Bei einem Gewitter musst du zügig und ohne Panik an Land, doch genau das war am felsigen, steilen Lelång kaum verlässlich möglich. Diese Vorstellung war es, die mir am meisten Sorgen bereitete.

Die kurzfristig prognostizierte und damit überraschende Windzunahme machte die Gesamtsituation nicht leichter. Das eigentliche Fahren auf dem Wasser war risikoreicher, ein Anlanden und wieder Einsteigen an ungeschützten aber alternativlosen Uferbereichen empfanden wir als sehr schwer bis unmöglich.

Und dann war da noch die Kalkulation des Umkehrpunktes, um eine essenziell wichtige, pünktliche Rückkehr zum Bootsverleiher. Ich fühlte mich aufgrund des starken Gegenwindes in Verbindung mit unserem Erfahrungslevel nicht mehr in der Lage, diesen halbwegs zuverlässig zu bestimmten. Und so wurde die Wetterentwicklung schlicht die Unbekannte in der Rechnung und zum vielschichtigen Risiko.


Steile Ufer und überfüllte DANOs

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Zur Wetterlage kamen weitere Faktoren, die schon am Vortag an mir genagt hatten. Die Küstenlinie des Lelång ist bis auf sehr sehr seltene Ausnahmen felsig und steil. Ein Blick in die topografische Karte ließ auch die Hoffnung auf eine Besserung für den weiteren Weg nachhaltig verfliegen.

Schnell irgendwo anlanden oder spontan über das Jedermannsrecht einen alternativen Zeltplatz finden? Eher stark unwahrscheinlich.

Dazu kam der Andrang. Es waren auffällig viele Gruppen unterwegs, teils mit zehn Zweier-Kajaks auf einmal. Das erzeugt einen spürbaren Lagerplatzdruck, denn wer sicher einen Platz mit Zugang fürs Boot ergattern will, muss sein Ziel-DANO spätestens mittags ansteuern. Von der ersehnten Abgeschiedenheit und vor allem der erhofften Freiheit war so natürlich wenig zu spüren.


Meine gesundheitliche Unsicherheit

Hinzu kam ein sehr persönlicher Faktor. Mir war seit der Ankunft am Lagerplatz immer dann schwindelig, wenn ich aufstand oder mich körperlich belastete. Ich fühlte mich insgesamt weniger belastbar, womöglich steckte noch ein nicht ganz auskurierter Infekt aus der Woche zuvor in mir.

Auf einer Tour, bei der im Ernstfall alles von meiner Handlungsfähigkeit abhängt, war das für mich ein zu großer Unsicherheitsfaktor. Diese Verantwortung wollte ich nicht meiner elfjährigen Tochter aufbürden und so verstärkte mein gesundheitlicher Zustand die ohnehin gewichtigen Gründe zusätzlich.


Meine Learnings aus der Kajaktour in Schweden

So schmerzhaft ein Abbruch ist, die wertvollsten Erkenntnisse nehme ich genau daraus mit. Fünf Punkte haben sich für mich besonders herauskristallisiert.

Informiere dich intensiv über die Region und wähle weise

Ich wurde ohne von mir als ausreichend empfundene lokale Erfahrung mit Kind nicht noch einmal direkt in eine solche Situation starten. Und ich würde die Region deutlich sorgfältiger auswählen, konkret vorab auf der topografischen Karte die Ufersteilheit prüfen, denn genau sie hat uns hier das Leben unnötig schwer gemacht.

"Train as you fight"

Vor der Tour würde ich mehr üben als nur das reine Paddeln. Kajaks beladen, tragen, zu Wasser bringen und das Ein- und Aussteigen möglichst bei Wellengang. All das entscheidet über das Sicherheitsgefühl und ist grundsätzlich wichtig, wie mein unfreiwilliges Bad eindrücklich zeigte. Trockene Wechselkleidung gehört dabei stets griffbereit.

Mehr in den Körper hineinhören

Man sollte den eigenen Körper ernster nehmen. Mein Schwindel war kein Randdetail, sondern ein echtes Warnsignal. Wer die Verantwortung für ein Kind trägt, sollte gesundheitliche Unsicherheiten nicht wegwischen.

Saison nicht unterschätzen

Kenntnis der schwedischen Sommerferien und die realistische Einschätzung der Beliebtheit einer Region sind wichtige Entscheidungshilfen. Die Beliebtheit hatte ich massiv unterschätzt. Das lässt sich für berufstätige Familien kaum vermeiden, weil uns ja oft nur genau dieses Zeitfenster bleibt. Wer aber flexibel ist, findet außerhalb von Juli und August bestimmt spürbar mehr Ruhe.

Detaillierte Kenntnis darüber, was in welche Drybag ist

Ich hatte die Drybags zwar nach Themen gepackt, wusste unterwegs aber nur in wenigen Ausnahmen wirklich, welcher farbige Sack was enthielt. Beim nächsten Mal lege ich mir eine kleine Notiz mit einem Mapping an, die ich gerade zu Beginn immer wieder herziehen kann.


Fazit: War der Abbruch richtig?

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Zum Zeitpunkt der Entscheidung war der Abbruch für mich absolut richtig, weil durchdacht, hinterfragt und mit meiner Tochter gemeinsam getragen. Wir sind sicher und sogar trocken zurückgekommen, während es dort, wo wir hätten sein sollen, durchaus hätte gefährlich für uns werden können.

Und trotzdem bleibt bei mir mit etwas Abstand eine leise Zwiegespaltenheit zurück. Hätte es Alternativen gegeben, die Tour anders fortzusetzen, statt sie ganz zu beenden? Diese Frage lässt mich bis heute nicht ganz los...

Was bleibt, ist die schöne Gewissheit, dass ein autarkes Outdoor-Abenteuer mit meiner elfjährigen Tochter funktioniert, solange keine echten Sicherheitsrisiken bestehen. Wir können wildcampen, wir sind ein eingespieltes Team und wir haben trotz allem ein Erlebnis geteilt, von dem wir in vielen Jahren vielleicht noch erzählen werden.

Was mir ebenfalls bleibt, ist ein finanzieller Verlust von mehr als 500 Euro für Kajakmiete, die Naturvårdskort und spezielle, zukünftig wahrscheinlich nicht mehr benötigte Ausrüstung. Ein Lehrgeld für eine Erfahrung, die ich trotzdem nicht missen möchte.

Link: Diese Apps hat uns der Bootsverleiher empfohlen

Für eine Kajaktour in Schweden waren drei Apps für uns Gold wert.
  • YR, der Wetterdienst von NRK und dem norwegischen Meteorologischen Institut, lieferte die zuverlässigsten Vorhersagen (App Store / Google Play).
  • Brandrisk Ute, im Deutschen als FireDangerOutdoors bekannt, zeigt die aktuelle Waldbrandgefahr und mögliche Feuerverbote (App Store / Google Play).
  • Die DANO- beziehungsweise Dalsland-Canal-App hilft beim Finden der Lagerplätze im Seensystem (App Store / Google Play).


Und jetzt bist du dran. War unser Abbruch am Ende überängstlich oder einfach vernünftig? Ich bin bei dieser Frage bis heute zwiegespalten und deshalb ehrlich neugierig auf deine Sicht. Warst du selbst schon in einer Situation, in der du eine Tour abbrechen musstest oder hättest du an meiner Stelle weitergemacht? Erzähl mir von deinen Erfahrungen und schreib mir gern über mein Kontaktformular. Ich freue mich auf den Austausch mit dir!


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Ich bin ein liebevoller Vater, Candourist, Stoiker, Agilist, Product Owner, Hauptmann der Reserve, Diplom-Kaufmann, ausgebilderter Verkehrspilot (ATPL-Credit) und Weitwanderer.

"Casa Buitoni" ist seit meiner Studienzeit mein Spitzname als passionierter Pasta-Konsument und somit Namensgeber meines Blogs.
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