Besuch Infotag für Einwanderungswillige in Skjern

Dienstag, 07. April 2026
Serie Dänemark S8 • E2
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Lesedauer: 12 Minuten

Seit fast vier Jahrzehnten zieht es mich regelmäßig nach Dänemark. Was als Urlaub begann, wurde über die Jahre zu einer tiefen Verbundenheit mit dem Land, seinen Menschen und ihrer Lebensweise. Irgendwann reifte in mir der Gedanke, dass Urlaub allein nicht mehr reicht. Ich wollte mehr. Ich wollte bleiben.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meinen persönlichen Infotag in Skjern. Du erfährst, wie die Kommune Ringkøbing-Skjern deutsche Einwanderer empfängt, welche Informationen geboten werden, wo es hakt und warum ich am Ende mit gemischten Gefühlen nach Hause fuhr – den Geschmack eines Ristet Hotdogs auf den Lippen und eine Menge Stoff zum Nachdenken im Gepäck.


Kurze inhaltliche Übersicht



Die Kommune Ringkøbing-Skjern an der dänischen Westküste wirbt aktiv um deutsche Einwanderer und veranstaltet mehrmals im Jahr sogenannte Infotage, an denen sich Einwanderungswillige vor Ort ein umfassendes Bild machen können. Als ich im vergangenen Jahr im NDR einen Bericht über genau so einen Infotag sah, war mir klar: Da muss ich hin. Nicht als Tourist, sondern als jemand, der es ernst meint.

Anfang März war es dann soweit. Ich machte mich auf den Weg ins Kulturzentrum von Skjern, um meinen jahrelang gereiften Traum einem Realitätscheck zu unterziehen. Was ich dort erlebte, war ein Wechselbad aus Begeisterung, Ernüchterung und der bittersüßen Erkenntnis, dass manche Träume noch etwas Zeit brauchen.


Ankunft und Checkin – Hygge ab der ersten Sekunde

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Ab 9:00 Uhr öffneten sich die Türen des Kulturzentrums in Skjern, und schon der Checkin war so typisch dänisch, wie man es sich nur wünschen kann. Kein steifes Prozedere, kein Nummernziehen. Stattdessen wurde ich mit meinem Vornamen begrüßt, nach meinem Wohnort gefragt, und schon hatte ich einen Gutschein für einen Hotdog in der Hand. Rund 250 Teilnehmer waren an diesem Tag gekommen, eine bunte Mischung aus Familien, Paaren und vereinzelt auch Einzelpersonen. Sie alle einte derselbe Traum: ein neues Leben in Dänemark.

Was mir sofort auffiel, war die Atmosphäre. Viele kamen fröhlich und voller Vorfreude an. Diese unbeschwerte Stimmung sollte sich im Laufe des Tages bei einigen merklich verändern – aber dazu später mehr.


Brunsviger und Kaffee – Dänemark schmecken

Neben dem obligatorischen Kaffee, der in Dänemark bekanntlich immer und überall fließt, gab es Brunsviger – einen traditionellen dänischen Hefekuchen mit einer unwiderstehlichen Kruste aus braunem Zucker und Butter. Dieser Kuchen stammt ursprünglich von der Insel Fünen, ist aber längst in ganz Dänemark zu Hause. Wer ihn einmal probiert hat, versteht warum. Der Brunsviger kam bei den Teilnehmern hervorragend an und sorgte zusammen mit dem Kaffee für den perfekten Einstieg in den Tag.

Tipp: Brunsviger probieren

Wenn du in Dänemark bist, bestell dir in einer Bäckerei unbedingt ein Stück Brunsviger. Dieser Butter-Zucker-Kuchen auf Hefeteigbasis ist ein absoluter Klassiker und schmeckt am besten, wenn er noch leicht warm ist. Besonders in Westjütland wird er gerne mit einer zusätzlichen Vanillecreme serviert.


Die Bürgermeisterin spricht Deutsch

Pünktlich um 10:00 Uhr betrat Lone Andersen, die Bürgermeisterin der Kommune Ringkøbing-Skjern, die Bühne und begrüßte uns mit einer kurzen Ansprache – auf Deutsch. Ihr Deutsch war mit einem typisch dänischen Akzent gefärbt, aber wirklich gut. Deutlich besser als mein Dänisch, wie ich ehrlich zugeben muss. Was mich beeindruckte, war ihre authentische Herzlichkeit. Keine einstudierte Politikerrede, sondern eine sympathische Einladung, sich in ihrer Kommune willkommen zu fühlen.

Nach ihrer Ansprache nahm sie tatsächlich neben mir Platz. Sie fragte mich, was mich nach Dänemark ziehen würde. Ich erzählte ihr, was ich am dänischen Leben so mag – die Natur, die Gelassenheit, das Miteinander. Wie ich später erfuhr, war genau das eine Antwort, die Dänen besonders schätzen. Wer nach Dänemark will, sollte über das sprechen, was ihn an Dänemark begeistert, nicht über das, was ihn an der Heimat stört. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied.


Vorträge und Informationen zur Einwanderung

Der Infotag bot neben den zahlreichen Infoständen auch ein Bühnenprogramm mit mehreren Vorträgen. Die Qualität schwankte dabei allerdings erheblich – von äußerst informativ bis leider enttäuschend.


Chris Wantia – Der Einwanderungsberater

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Um 10:15 Uhr begann der mit Abstand wichtigste Vortrag des Tages. Chris Wantia ist der deutsche Einwanderungsberater der Kommune Ringkøbing-Skjern und erklärte die einzelnen Schritte einer möglichen Einwanderung. Wann muss man was in welcher Reihenfolge erledigen? Wie vermeidet man unnötige Rennerei und bürokratischen Ärger? Er brachte Struktur in ein Thema, das vielen Anwesenden offensichtlich noch recht nebulös erschien.

Leider hatte Chris Wantia an diesem Tag nur wenig Zeit und verabschiedete sich direkt nach seinem Beitrag aus familiären Gründen. Das war schade, denn er war ohne Zweifel der wichtigste Ansprechpartner vor Ort. Wer ihn an den Infoständen ansprach, wurde freundlich gebeten, ihm doch eine E-Mail zu schreiben. Verständlich, aber für eine Veranstaltung, bei der viele Teilnehmer eine weite Anreise auf sich genommen hatten, war das ein Wermutstropfen.

Information: Zuzugsberatung Ringkøbing-Skjern

Die Kommune Ringkøbing-Skjern bietet mit Chris Wantia einen deutschsprachigen Zuzugsberater, der per E-Mail unter zuzug@flytmodvest.dk erreichbar ist. Die Beratung ist kostenlos und deckt alle Aspekte der Einwanderung ab – von der Jobsuche bis zur Anmeldung.


Die Sydbank und das Thema Finanzierung

Im Anschluss folgte ein Beitrag einer Vertreterin der Sydbank zum Thema Finanzierung von Wohnraum. Ich hatte mir hier konkrete Informationen zu Finanzierungsmodellen, Zinssätzen oder Besonderheiten des dänischen Immobilienmarktes erhofft. Leider ging der Vortrag aber kaum über die Nennung der neuen Filialadresse in Skjern und die Einladung zu einem persönlichen Gespräch hinaus. Immerhin bemühte sich die Dame, ihren Vortrag auf Deutsch zu halten, was durchaus Respekt verdient. Dennoch war die Enttäuschung im Saal spürbar – nicht nur bei mir.


Sprachschule, Finanzamt und die Infotische

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Während im Anschluss ein deutscher OP-Pfleger von seinem Weg ins dänische Gesundheitssystem berichtete, nutzte ich die Zeit, um mir die zahlreichen Infostände genauer anzuschauen. Gemeinden, Schulen, Arbeitgeber, Immobilienmakler, Sprachschulen und sogar das dänische Finanzamt SKAT hatten ihre Stände aufgebaut und waren offen für Gespräche.

Besonders interessant war für mich der Stand von UCPlus, einer Sprachschule der Region. Neben den kostenlosen Dänischkursen, die man nach der Einwanderung besuchen kann, bietet UCPlus auch ein Programm für die Zeit vor dem Umzug an: zwölf Stunden Remote-Unterricht für rund 500 Euro, mit dem man sich von Level zu Level vorarbeiten kann. Eine hervorragende Möglichkeit, schon vor der Einwanderung die ersten Sprachbarrieren abzubauen.

Am SKAT-Stand ließ ich mir meinen konkreten Fall einmal beispielhaft durchrechnen. Die Mitarbeiterin sprach kein Deutsch, dafür aber gutes Englisch. Was als lockeres Gespräch begann, wurde in Phasen durchaus strukturiert, als wir meinen hypothetischen Gehaltsfall mit einem deutschen Remote-Job durchgingen. Die Zahlen, die dabei herauskamen, gaben mir ordentlich Stoff zum Nachdenken.

Link: Sprachkurse bei UCPlus

UCPlus bietet neben den staatlich finanzierten Dänischkursen nach der Einwanderung auch kostenpflichtige Online-Kurse vor dem Umzug an. Zwölf Stunden Remote-Unterricht kosten rund 500 Euro. Mehr Informationen findest du auf der Website der Kommune unter flytmodvest.dk.

Alle Gespräche an den Infotischen begann ich übrigens auf Dänisch. Mein Sprachniveau ist noch gering, aber die Reaktionen der Dänen waren durchweg überrascht und überaus positiv. Genau das bestätigte mir noch einmal, wie wichtig es für eine erfolgreiche Einwanderung und Integration ist, sich anzupassen, sich einzubringen und den Willen zu zeigen, die Sprache zu lernen. Wen wundert's.


Steuern, A-Kasse und das Auto-Problem

Einige der wichtigsten Erkenntnisse des Tages betrafen die finanziellen Rahmenbedingungen einer Einwanderung. Der durchschnittliche Steuersatz in Dänemark liegt bei etwa 39 Prozent. Hinzu kommt der Beitrag für eine sogenannte A-Kasse – eine Art Verein, der im Falle einer Arbeitslosigkeit in den ersten drei Jahren nach der Einwanderung eine Art Arbeitslosengeld zahlt. Beide Posten zusammen muss man bei seiner finanziellen Planung unbedingt berücksichtigen.

Und dann ist da noch das Thema Auto. Wer mit einem Dieselfahrzeug nach Dänemark einwandern möchte, sollte das dringend überdenken. Die Ummeldung beziehungsweise Einfuhr eines Diesels ist am teuersten – man spricht von mehr als 50 Prozent des Fahrzeugwertes. Benziner sind nur geringfügig günstiger. Wer ein Auto mitnehmen will, sollte auf ein E-Auto setzen, da die anfallenden Kosten dort deutlich geringer sind. Hybrid-Fahrzeuge bewegen sich preislich irgendwo dazwischen.

Hinweis: Fahrzeugeinfuhr nach Dänemark

Die Registrierungsabgabe für importierte Fahrzeuge ist in Dänemark extrem hoch. Diesel- und Benzinfahrzeuge können über 50 Prozent des Fahrzeugwertes kosten. Wer plant, sein Auto mitzunehmen, sollte dies bei der finanziellen Planung dringend berücksichtigen. E-Autos sind dabei die mit Abstand günstigste Option.


Arbeitsmarkt: Überqualifiziert für die Westküste

Und dann kam die für mich persönlich bitterste Erkenntnis des Tages. Die Firmen in der Kommune Ringkøbing-Skjern suchen händeringend nach Arbeitskräften – allerdings ausschließlich im handwerklichen Bereich und für Reinigungstätigkeiten. Für jemanden wie mich, einen Diplom-Betriebswirt in einer Führungsrolle in der agilen Softwareentwicklung, gibt es vor Ort schlicht keine passenden Stellen.

Zitat von Chris Wantia

Bürojobs machen die Dänen selber gerne.

Ich wusste das im Grunde bereits vorher. Ich hatte mich im Vorfeld intensiv informiert und wollte den Infotag eigentlich zur Verifizierung meines Wissensstandes und zum Knüpfen von Kontakten nutzen. Trotzdem hatte ich insgeheim gehofft, dass die Jobchancen für jemanden mit meinem Profil nicht völlig aussichtslos wären. Diese Hoffnung zerplatzte an diesem Tag endgültig. Wer keinen handwerklichen Beruf mitbringt, müsste ganz unten anfangen und sich über viele, viele Jahre langsam nach oben arbeiten.

Die verbleibende Option wäre, einen deutschen Remote-Job mitzubringen und von Dänemark aus zu arbeiten. Ob sich das steuerlich rechnet, muss ich nach den Informationen vom SKAT-Stand allerdings erstmal penibel durchrechnen. Beim dänischen Steuersatz plus A-Kasse-Beitrag ist das alles andere als ein Selbstläufer.


Fazit – Ein Traum mit Warteschleife

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Gegen 12:30 Uhr und damit eine halbe Stunde vor Ende der Veranstaltung machte ich mich auf den Heimweg. Nicht ohne vorher noch einen Ristet Hotdog genossen zu haben – das volle Programm mit Röstzwiebeln, Gurken, Senf, Ketchup und Remoulade. Die Bestellung meisterte ich auf Dänisch, genau wie den Checkin am Morgen. Kleine Siege, die an einem Tag wie diesem besonders gut tun.

Was bleibt vom Infotag? Eine Mischung aus Bewunderung für die Offenheit und Herzlichkeit, mit der die Kommune Deutsche empfängt, und der ernüchternden Erkenntnis, dass der dänische Arbeitsmarkt an der Westküste für Akademiker mit Büro-Hintergrund wenig bereithält. Organisatorisch hätte ich mir gewünscht, dass der wichtigste Ansprechpartner mehr Zeit mitgebracht hätte und dass einzelne Vorträge inhaltlich tiefer gegangen wären.

Viele Teilnehmer kamen an diesem Morgen mit einem Leuchten in den Augen – und verließen die Veranstaltung deutlich nachdenklicher. Ich war einer von ihnen. Mein Traum vom Leben an der dänischen Westküste wird wohl noch mindestens bis zum Rentenantritt warten müssen. Das sind noch gut zwölf Jahre. Zwölf Jahre, in denen ich weiter Brunsviger essen, mein Dänisch verbessern und an diesem wunderschönen Fleckchen Erde Urlaub machen werde. Aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben.


Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder spielst du selbst mit dem Gedanken, nach Dänemark auszuwandern? Ich freue mich über den Austausch! Schreib mir gerne über mein Kontaktformular – ich antworte auf jede Nachricht persönlich.


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