Bad Apple Syndrom: Wie man mit toxischen Kollegen umgeht

Dienstag, 06. Januar 2026
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Quelle: Corina Rainer auf Unsplash

Lesedauer: 7 Minuten

In fast jedem Unternehmen gibt es sie, die eine Person, die mit schlechter Laune, ständigen Beschwerden oder destruktivem Verhalten das gesamte Team herunterzieht.

Oft reicht ein einziger Kollege, um die Stimmung zu vergiften und die Motivation aller zu schwächen.

Dieses Phänomen wird als Bad Apple Syndrom bezeichnet und ist nach der Metaphor des faulen Apfels benannt, der den Rest der Kiste ansteckt.

In diesem Beitrag erfährst du, was hinter diesem Effekt steckt, und vor allem, wie Betroffene und Führungskräfte damit umgehen können. Ich zeige dir bewährte Strategien aus der Praxis und erkläre, wie du dich vor toxischen Einflüssen schützen kannst.


Kurze inhaltliche Übersicht



Was hinter dem Bad Apple Syndrom steckt

Der Begriff stammt aus der Sozialpsychologie und beschreibt die Dynamik, die entsteht, wenn eine einzelne Person mit ihrem Verhalten den Teamgeist untergräbt. Negative Haltungen sind ansteckend.

Information: Wissenschaftliche Grundlage

Das Bad Apple Syndrom wurde erstmals von Will Felps und anderen Forschern der University of Washington systematisch untersucht. Ihre Studien zeigten, dass bereits eine einzige dysfunktionale Person die Leistung eines Teams um bis zu 40% senken kann.

Wer ständig Kritik äußert, Konflikte sucht oder Zusammenarbeit verweigert, beeinflusst andere, selbst wenn diese ursprünglich motiviert und engagiert waren.

Das Syndrom macht deutlich, dass Gruppen nicht nur durch ihre Stärken getragen werden, sondern auch durch Schwächen nachhaltig geschwächt werden können. Besonders gefährlich ist dabei, dass toxisches Verhalten oft schleichend wirkt.

Am Anfang sind es kleine Kommentare oder eine ablehnende Haltung, die scheinbar harmlos erscheinen. Doch mit der Zeit verändern sie die Atmosphäre im Team. Aus Kollegialität wird Misstrauen, aus Motivation wird Resignation.


Wenn ein schlechter Apfel das Team vergiftet

Die Folgen für Unternehmen können erheblich sein. Ein einziger toxischer Kollege kann die Produktivität massiv senken.

Teams arbeiten weniger effizient, weil Energie in Konflikte und Rechtfertigungen fließt, statt in kreative Lösungen. Gleichzeitig leiden die Mitarbeitenden emotional.

Hinweis: Warnsignale erkennen

Achte auf diese Anzeichen: sinkende Teilnahme an Meetings, weniger spontane Kommunikation, erhöhte Krankheitstage und ein spürbar angespanntes Arbeitsklima. Diese Signale zeigen oft früh, dass ein Bad Apple am Werk ist.

Dauerhafte Negativität erzeugt Stress, schwächt das Vertrauen in die Führung und kann langfristig sogar zu Burnout oder erhöhter Fluktuation führen.

Führungskräfte stehen hier vor einer besonderen Herausforderung! Sie dürfen den Einfluss des Bad Apples nicht unterschätzen. Schon das Gefühl, dass destruktives Verhalten geduldet wird, reicht aus, um das Vertrauen in die Unternehmenskultur nachhaltig zu schädigen.


Strategien im Umgang mit toxischen Kollegen

Der erste Schritt im Umgang mit toxischen Kollegen besteht darin, sich der Dynamik bewusst zu werden. Wer versteht, dass es sich nicht um ein persönliches Versagen handelt, sondern um ein gut erforschtes Phänomen, kann mit mehr Klarheit reagieren.


Individuelle Abwehrstrategien

Auf individueller Ebene hilft es, klare Grenzen zu setzen und sich nicht von der negativen Stimmung anstecken zu lassen. Es ist wichtig, sich innerlich zu distanzieren, statt in den Strudel aus Pessimismus und Konflikten hineingezogen zu werden.

Tipp: Die 24-Stunden-Regel

Wenn dich ein toxischer Kollege provoziert hat, warte 24 Stunden bevor du reagierst. Diese Bedenkzeit hilft dir, emotional Abstand zu gewinnen und professionell zu antworten, statt impulsiv zu reagieren.

Auf Teamebene kann es hilfreich sein, aktiv an einer positiven Kultur zu arbeiten. Wenn mehrere Kolleginnen und Kollegen bewusst Optimismus zeigen, können sie die Wirkung des Bad Apples abfedern.

Auch offene Gespräche über Werte und Erwartungen im Team können verhindern, dass destruktives Verhalten zur Norm wird.


Die Rolle der Führung

Entscheidend bleibt jedoch die Rolle der Führung. Führungskräfte müssen toxisches Verhalten klar benennen und konsequent ansprechen.

Zitat von Simon Sinek

The goal is not to be perfect by the end. The goal is to be better today.

Oft reicht ein ehrliches Feedbackgespräch, um den Betroffenen die Wirkung ihres Verhaltens bewusst zu machen. Manchmal sind aber auch strengere Maßnahmen notwendig – von klaren Vereinbarungen über Verhaltensänderungen bis hin zur Trennung, wenn sich keine Besserung zeigt.


Prävention: Ein gesundes Teamklima schaffen

Noch wirksamer als akutes Eingreifen ist es, das Bad Apple Syndrom gar nicht erst entstehen zu lassen. Eine starke Teamkultur, die auf Wertschätzung und Transparenz setzt, ist die beste Prävention.

Schon beim Onboarding sollten Unternehmen darauf achten, welche Werte vermittelt werden. Ebenso wichtig ist eine Feedbackkultur, in der Probleme früh angesprochen und gelöst werden, bevor sie eskalieren.

Link: Weiterführende Ressourcen

Für Führungskräfte, die präventive Maßnahmen umsetzen möchten, empfehle ich das Buch 'Psychological Safety' von Amy Edmondson. Es zeigt konkrete Wege auf, wie Teams eine Kultur des Vertrauens entwickeln können.

Wenn Mitarbeitende spüren, dass ihre Stimme zählt und dass ihre Arbeit anerkannt wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich negative Muster dauerhaft festsetzen.

Prävention bedeutet auch, dass Führungskräfte die Verantwortung übernehmen, wachsam zu bleiben und nicht wegzusehen, wenn erste Anzeichen von destruktivem Verhalten auftreten.


Fazit

Das Bad Apple Syndrom zeigt eindrücklich, wie stark der Einfluss einzelner Personen auf eine Gruppe sein kann. Toxische Kollegen sind kein Randproblem, sondern ein ernstes Risiko für Motivation, Zusammenarbeit und Erfolg.

Doch weder Mitarbeitende noch Führungskräfte sind diesem Effekt hilflos ausgeliefert. Wer Grenzen setzt, offene Kommunikation fördert und Verantwortung übernimmt, kann verhindern, dass ein fauler Apfel das ganze Team verdirbt.

Am Ende gilt: Eine starke, wertschätzende Kultur ist die beste Verteidigung. Und manchmal ist der mutigste Schritt, sich von dem schlechten Apfel zu trennen – um den Rest der Kiste zu retten.


Du erlebst selbst toxisches Verhalten im Team und suchst nach konkreten Lösungsansätzen? Ich unterstütze dich gerne dabei, die richtige Strategie für deine Situation zu entwickeln. Kontaktiere mich über mein Kontaktformular – gemeinsam finden wir einen Weg, wie du mit schwierigen Kollegen umgehen kannst.


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