20 km Wanderung um den Hemmelsdorfer See

Freitag, 08. Mai 2026
Serie Outdoor S2 • E17
Google Maps Escheburg
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Lesedauer: 10 Minuten

Es gibt Touren, nach denen man beschwingt nach Hause kommt und am liebsten sofort die nächste planen würde. Und dann gibt es Touren, nach denen man im Auto sitzt, auf die Parkgebühren-Quittung schaut und sich fragt, ob das wirklich die beste Verwendung eines freien Samstags war.

Mitte April 2026 habe ich mich mit meinem vollen Thru-Hiking-Rucksack auf den Weg gemacht, um den Hemmelsdorfer See bei Niendorf an der Ostsee zu umrunden. 20 Kilometer, 100 Höhenmeter, knapp fünf Stunden und eine Erkenntnis, die ich dir hier schonungslos ehrlich mitgeben möchte.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meine Rundwanderung um den Hemmelsdorfer See. Du erfährst, wie die Strecke wirklich beschaffen ist, welche wenigen Anlaufpunkte es gibt, warum ich die Tour nicht empfehle – und welche Alternative in der Region deutlich mehr taugt.

Kurze inhaltliche Übersicht



Ich laufe mittlerweile seit über einem Jahr mit schwerem Gepäck durch Schleswig-Holstein oder Dänemark, bin Wildcampen und autarkes Weitwandern gewohnt. Eine gemütliche Seerunde in Schleswig-Holstein sollte also kein Problem sein. Und ja, körperlich war sie das auch nicht. Aber manchmal ist es eben nicht die Strecke selbst, die dich fordert, sondern die Frage, warum du sie überhaupt gehst.


Start in Niendorf – Parken und Ausgangspunkt

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Mein Startpunkt war der Parkplatz am Vogelpark in Niendorf an der Ostsee. Der liegt fußläufig zum Strand und zum Hafen, was die Betreiber offensichtlich auch wissen – denn 11 Euro für fünf Stunden Parkzeit sind eine Ansage.

Ob es in der Nähe günstigere Alternativen gibt, kann ich dir leider nicht sagen. Ich habe keine gesucht und im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen darüber.

Von dort aus bin ich im Uhrzeigersinn losgelaufen. Die ersten Meter führen direkt am Vogelpark vorbei, was zumindest optisch ein netter Einstieg ist.

Wenn du mit Kindern unterwegs bist, könnte sich ein Abstecher in den Vogelpark lohnen. Für die Wanderung selbst war das allerdings das letzte echte Highlight für eine ganze Weile.

Tipp: Parkgebühren einplanen

Rechne mit mindestens 11 Euro für fünf Stunden Parkzeit am Vogelpark-Parkplatz in Niendorf. Für die komplette Seerunde brauchst du etwa 4,5 bis 5 Stunden. Wenn du die App easyPark nicht nutzt, solltest du Kleingeld oder Kartenzahlung dabei haben.


Die Strecke im Detail – viel Asphalt, wenig See

Wenn du dir eine idyllische Seewanderung vorstellst, bei der du ständig aufs Wasser blickst und durch schattige Uferwege schlenderst, muss ich dich leider direkt enttäuschen. Der Hemmelsdorfer See ist auf der Rundtour erstaunlich gut versteckt. Über weite Strecken siehst du ihn schlicht nicht. Stattdessen begleiten dich Fahrradwege, Landstraßen und das beruhigende Grundrauschen des Straßenverkehrs.

Von den 20 Kilometern waren etwas mehr als 11 Kilometer asphaltiert. Das ist mehr als die Hälfte und das spürt man. Nicht nur in den Füßen, sondern vor allem im Kopf, wenn man als Wanderer eigentlich weiche Waldböden und schmale Pfade gewohnt ist.


Vogelpark und Golfplatz – der kuriose Auftakt

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Die ersten Kilometer führen am Vogelpark Niendorf vorbei, wo man von Außen durchaus ziemlich viele Tiere sehen kann.

Dabei geht es anfangs durch eine Art Sumpfgebiet, entlang einer ersten Landstraße und anschließend über einen Feldweg, der mitten durch den Maritim Golfpark Ostsee verläuft.

Das ist tatsächlich ein offizieller Wanderweg, also keine Sorge, du wirst nicht vom Platzwart verscheucht. Ganz im Gegenteil, da gibt es jede Menge Bänke für eine Rast. Und trotzdem fühlt es sich etwas seltsam an, zwischen gepflegten Grüns und fliegenden Golfbällen entlangzuwandern.

Naturerlebnis stelle ich mir anders vor, aber besser als auf irgendwelchen Fahrradwegen entlang einer Landstraße zu laufen und unterhaltsam war es auf seine ganz eigene Art schon.


Radwege und Landstraßen – der ernüchternde Hauptteil

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Nach dem Golfplatz-Abenteuer beginnt der Teil der Tour, den ich am liebsten vergessen würde.

Lange Abschnitte führen über Fahrradwege entlang von Land- und Bundesstraßen. Der Verkehrslärm ist omnipräsent und dazu kommen die Radfahrer, die im Minutentakt an dir vorbeifahren ohne zu klingeln und einen sicheren Abstand zu halten. Ich hab mich jedenfalls mehrfach stark erschrocken, wenn wieder ein Renter mit seinem E-Bike und hoher Geschwindigkeit an mir vorbei sauste.

Als Wanderer fühlst du dich auf diesen Abschnitten wie ein Fremdkörper, das ist eindeutig Radfahrer-Terrain.

Wegmarkierungen für eine Seerunde? Fehlanzeige. Ich habe die komplette Tour über Komoot navigiert und wäre ohne GPS-Navigation an mehreren Stellen falsch abgebogen. Das ist kein ausgeschilderter Rundwanderweg, sondern eine Route, die man sich selbst zusammenstückeln muss.


Der eine Kilometer am Seeufer

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Ja, es ist leider bittere Wahrheit. Von 20 Kilometern Gesamtstrecke führt gerade einmal ein einziger Kilometer wirklich direkt am Ufer des Hemmelsdorfer Sees entlang.

Das ist der Abschnitt, für den man diese Wanderung eigentlich macht und er ist viel zu schnell vorbei.

Hier konnte ich etwa zur Halbzeit der Tour endlich meine erste Pause einlegen und habe mich dazu an einer inoffiziellen Badestelle am südwestlichen Ende des Sees auf eine Bank gelegt und mal die Füße für 10 Minuten hochgelegt.

Für diese paar Minuten war es tatsächlich sehr ruhig und entspannt. Dann ging es nach wenigen hundert Metern wieder auf Asphalt weiter.


Das Lakehouse °54 in Hemmelsdorf

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In Hemmelsdorf selbst habe ich dem Lakehouse °54 einen kurzen Besuch abgestattet. Das war tatsächlich der emotionalste Moment der ganzen Tour. Ich kannte diesen Ort noch von vor etwa 30 Jahren. Damals war das eine alte Fischerkate, in der frisch gefangener und geräucherter Fisch aus dem See und der Ostsee verkauft wurde. Schlicht, ehrlich, irgendwie zeitlos.

Heute steht dort ein hochmoderner Reetdachbau, der dem alten Gebäude zwar optisch ähnelt, aber in einer komplett anderen Liga spielt.

Das Lakehouse °54 ist mittlerweile ein schickes Restaurant mit Fisch- und Fleischgerichten und einem wunderschönen Steg mit einem Bootshaus am Ende. Ich habe mich nur kurz auf den Steg gesetzt und die Veränderung auf mich wirken lassen.

Gegessen habe ich nichts, dafür war die Wanderung zu kurz geplant und mein Budget ohnehin schon vom Parkplatz angeknabbert. Die Location selbst machte aber einen tollen Eindruck und ist bestimmt einen Besuch wert.


Hermann-Löns-Blick – das einzige echte Panorama

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Etwa einen Kilometer vor dem Ziel, nachdem man über einige Kilometer auf teils sehr schmalen Single Trails durch ein weiteres Sumpfgebiet gewandert ist, wartet dann mit dem Hermann-Löns-Blick doch noch ein kleines Highlight.

Der Hermann-Löns-Blick ist ein Aussichtsturm von geschätzten 12 Metern Höhe, von dem aus du fast den gesamten Hemmelsdorfer See überblicken kannst. Und hier oben dachte ich mir zum ersten Mal Okay, der See ist eigentlich wirklich schön. Man sieht ihn nur leider von unten fast nie.

Die Besteigung dauert zwar nur wenige Minuten, lohnte sich aber definitiv. Es ist tatsächlich der einzige Punkt auf der gesamten Runde, an dem du ein echtes Panorama über den See bekommst. Wenn du sonst nichts von dieser Tour mitnimmst, den Turm solltest du dir merken.


Tourdaten und Fakten

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Die Gesamtstrecke betrug ziemlich genau 20 Kilometer bei rund 100 Höhenmetern. Das Profil ist flach-wellig. Es gibt keinen nennenswerten Anstieg, der dich ins Schwitzen bringt. Für die gesamte Runde inklusive Pause an der Badestelle, dem Stopp am Lakehouse °54 und der Turmbesteigung habe ich 4 Stunden und 37 Minuten gebraucht.

Das Wetter war an dem Tag überwiegend bewölkt, trocken und nahezu windstill, also eigentlich perfekte Wanderbedingungen. Ich war mit meinem üblichen Thru-Hiking-Setup von 10 Kilogramm unterwegs, was bei dieser flachen Strecke eindeutig als Training gedacht war. Gebraucht hätte ich das Gewicht für diese Tour definitiv nicht.

Mehr als die Hälfte der Strecke – über 11 Kilometer – war asphaltiert und führte direkt an viel befahrenen Land- und Bundesstraßen entlang. Navigation erfolgte komplett über Komoot, da es keinerlei Wegmarkierungen gibt.

Link: Meine Tour auf Komoot

Solltest du die Tour trotzdem machen wollen, kannst du dir die genaue Route mit allen Details auf Komoot ansehen: Hemmelsdorfer See Rundwanderung auf Komoot


Fazit – lohnt sich die Wanderung?

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Ich mache es kurz: Nein, die Wanderung lohnt sich nicht. Zumindest nicht als Wanderer.

Die Rundtour um den Hemmelsdorfer See klingt auf dem Papier nett. 20 Kilometer um einen der tiefsten Binnenseen Deutschlands, das hat durchaus Potenzial. In der Praxis erwartet dich aber eine Strecke, die zu über 55 Prozent asphaltiert ist, auf der du den See kaum siehst und auf der du die meiste Zeit auf Fahrradwegen neben Land- Bundesstraßen unterwegs bist.

Die Highlights lassen sich an wenige Fingern einer Hand abzählen. Das Lakehouse °54 für einen kurzen Stopp, der Hermann-Löns-Blick für das einzige echte Panorama und ein einsamer Kilometer am Seeufer. Das war's. Kaum ein Moment, der mich wirklich begeistert hat.

Für Radfahrer könnte die Strecke dagegen durchaus funktionieren, da die asphaltierten Wege gut in Schuss sind und die Runde in ein bis zwei Stunden bequem zu schaffen ist. Aber als Wanderer sage ich dir ganz ehrlich, spar dir die Parkgebühren oder mach vor Ort lieber etwas anderes.

Link: Bessere Alternative

Lies meinen Beitrag zur Küstenwanderung von Niendorf nach Travemünde: Winterwanderung an der Ostsee – 20 km Training bei Minusgraden


Du planst eine Wanderung an der Ostsee oder im Hinterland von Schleswig-Holstein und bist dir unsicher, welche Tour sich lohnt? Dann schreib mir gerne über mein Kontaktformular. Ich teile meine Erfahrungen gerne – auch die, bei denen ich dir von einer Tour abrate.


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