3F UL Gear Lanshan 2: Meine Zelt-Modifikationen

Freitag, 17. Juli 2026
Serie Outdoor S2 • E27
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Lesedauer: 15 Minuten

Das 3F UL Gear Lanshan 2 ist eines der beliebtesten Ultralight-Zelte auf dem Markt und das aus gutem Grund. Es ist leicht, sehr geräumig für ein Doppelwandzelt dieser Klasse und zu einem Preis erhältlich, der selbst hartgesottene Gramm-Zähler überzeugt.

Doch wer das Zelt kennt, der weiß auch, dass das Zelt ab Werk ein paar Schwächen mitbringt, die sich mit etwas Kreativität und wenig Aufwand deutlich verbessern lassen.

Wenn du jetzt wissen willst, wie ich das Lanshan 2 mit einfachen Mitteln sturmfester, geräumiger und alltagstauglicher gemacht habe, dann ist dieser Beitrag genau richtig für dich. Denn in diesem Beitrag zeige ich dir all meine Anpassungen, geordnet nach Außenzelt, Innenzelt und praktischen Komfort-Ergänzungen, die dieses eh schon gute Zelt auf ein meiner Meinung nach neues Level heben.

Kurze inhaltliche Übersicht



Ich bin nach meiner ersten Tour mit dem Lanshan 2 von 3F UL Gear auf YouTube über ein Video zu Modifikationen an diesem Zelt gestolpert. Was ich dort gesehen habe, hat mich direkt angesteckt. Nicht weil das Zelt schlecht wäre – ganz im Gegenteil – sondern weil ich erkannt habe, wie viel Potenzial in ein paar gezielten Anpassungen steckt. Seitdem habe ich das Zelt kontinuierlich weiterentwickelt und alle Änderungen ausgiebig "im Feld" getestet.


Außenzelt: Spannung, Stabilität und mehr Raumgefühl

Das Außenzelt des Lanshan 2 ist das Herzstück des Systems, weil es dich vor Wind, Regen und Tau schützt. Genau hier lohnt es sich, zuerst anzusetzen. Mit ein paar gezielten Änderungen an der Abspannung lässt sich nicht nur die Stabilität deutlich verbessern, sondern auch der Innenraum spürbar vergrößern.


Verbesserte Firstabspannung mit UHMWPE-Leine und O-Ringen

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Die originale Firstabspannung des Lanshan 2 erfüllt ihren Zweck, ist aber aufgrund ihres Abspannwinkels und Abspannpunkt am First nicht optimal. Bei starkem Wind oder Regen kann es passieren, dass die Spannung nicht gleichmäßig auf die Firstspitze wirkt und die Lüftungsabdeckung am Zelt anliegt, statt offen zu stehen, was natürlich die Belüftung und damit die Kondensation im Zelt direkt beeinflusst. Wie habe ich diese Problematik nun gelöst?

Ich habe zwischen der Firstspitze und der Spitze der Belüftungsabdeckung - dem ursprünglichen Abspannpunkt - auf jeder Seite eine kurze Hilfsleine angebracht, die ein Dreieck bildet und mit einem O-Ring versehen ist. An diesem O-Ring befestige ich dann die eigentliche, deutlich verlängerte Abspannleine.

Das Ergebnis ist für mich überzeugend. Der Zug wirkt jetzt primär auf die Firstspitze, was die Spannung des Firstes spürbar verbessert. Gleichzeitig zieht die Hilfsleine die Spitze der Lüftungsabdeckung aktiv vom Zelt weg und hält diese dauerhaft offen.

Für die Leinen verwende ich UHMWPE-Leine, was dasselbe Material ist, aus dem Dyneema gefertigt wird. Das Material ist extrem leicht, reißfest und dehnt sich kaum. Für die langen Abspannleinen wählte ich leuchtend gelbes Material, damit sie im Gelände gut sichtbar sind und ich nicht versehentlich drüber stolpere.

Tipp: Sichtbarkeit der Abspannleinen

Leuchtend gelbe oder orangefarbene UHMWPE-Leinen sind im Gelände deutlich besser sichtbar als graue oder transparente Varianten. Das reduziert das Stolperrisiko erheblich, besonders bei nächtlichen Toilettengängen rund ums Zelt.



Kettenlinien-Prinzip für mehr Kopf- und Fußraum

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Diese Modifikation hat mich am meisten überrascht. Sie klingt simpel, macht aber einen riesigen Unterschied im Alltag. Das Problem mit den Zeltseiten am Kopf- bzw. Fußende ist, wenn man sie wie üblich schräg nach unten abspannt, hängt diese großen Flächen des Innen- und Außenzeltes nach innen durch. Kopf- und Fußraum sind enger als nötig und das Zelt wirkt insgesamt kleiner als es ist.

Die Lösung basiert auf dem Kettenlinien-Prinzip. Ich habe an jeder Firstspitze dauerhaft eine etwa 5 Meter lange Leine befestigt. Diese führe ich jeweils durch einen Abspannpunkt, der mittig in der Außenzeltplane auf jeder Seite liegt. Spannt man die langen Leinen nun möglichst weit vom Zelt entfernt am Boden ab, zieht der Abspannpunkt nicht mehr schräg nach unten, sondern schräg nach oben und damit weg von der Zeltplane.

Sowohl das Außen- als auch das Innenzelt werden dadurch straffer und gleichmäßiger gespannt. Es hängt nicht mehr durch und der Kopf- wie auch der Fußraum im Zelt werden deutlich geräumiger. Wer das einmal erlebt hat, möchte nicht mehr zurück.

Details zum Umbau zur Nutzung des Kettenlinien-Prinzips

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Absiden-Abspannung mit Bungee-Loops und Karabiner

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Die Original-Abspannung der Absiden des Lanshan 2 besteht aus Paracord mit einem Plastik-Ankerhaken. Funktional, aber nicht ideal. Der Plastik-Haken kann brechen, die Spannung auf dem Material ist starr und lässt keine Bewegung zu.

Ich habe den Paracord und den Plastikhaken durch zwei unterschiedlich farbige Bungee-Cord-Loops ersetzt. Die farbliche Codierung habe ich gewählt, um schnell erfassen zu können, welchen Loop ich vom Hering lösen muss, um eine bestimmte Absidenseite zu öffnen. Das klingt banal, macht im Camping-Alltag aber einen echten Unterschied.

Der Loop-Ansatz bringt noch einen weiteren Vorteil. Je nachdem, wie ich den Loop einhänge, kann ich kurz oder lang abspannen. Das ist praktisch, wenn ich die Firsthöhe durch unterschiedlich lange Trekkingstöcke verändere. Zusätzlich kann ich an den Loops einen kleinen Karabiner anbringen und damit die Türseite der Absiden direkt an den Kettenlinien-Leinen einhaken, wenn ich die Tür komplett offen halten möchte.

Information: Was ist ein Bungee-Cord-Loop?

Ein Bungee-Cord-Loop ist ein zu einem geschlossenen Ring (Loop) verknotetes oder genähtes Stück Gummiseil. Im Unterschied zu starrem Paracord federt es Zugkräfte ab, schont so das Material und bleibt auch bei Windböen unter Spannung, ohne zu reißen.



Absiden hochspannen für mehr Raum

Eine der letzten Modifikationen am Außenzelt und eine, die den nutzbaren Raum der Absiden enorm vergrößert. Ich habe zwei etwa drei Meter lange Leinen vorbereitet, die ich per Mini-Karabiner an den Loops der Absiden-Bungees anbringen kann. Mit diese Leinen spanne ich dann die Absidenendpunkte in einer deutlich größeren Entfernung ab.

Das Ergebnis ist, dass die Absidenseite bei (teil-)geöffnetem Reißverschluss deutlich höher abgespannt werden. Der Eingangsbereich öffnet sich deutlich weiter, ich habe deutlich mehr Platz zum Schuhwechsel, Kochen oder für Ausrüstung und auch ein größerer Schattenbereich entsteht. Wer die Absiden des Lanshan 2 bisher nur wenig genutzt hat, wird mit dieser Anpassung eine neue Seite des Zeltes kennenlernen.


Innenzelt: Bodenwanne, Reißverschlüsse und Stabilität

Das Innenzelt des Lanshan 2 ist gut durchdacht, hat aber ebenfalls Optimierungspotenzial. Vor allem die Bodenwanne und die Verbindung zum Außenzelt lassen sich mit einfachen Mitteln deutlich verbessern, sowohl in Bezug auf die Materialbelastung als auch auf die Handhabung im Feld.


Bungee-Cord an der Bodenwannen-Abspannung unten

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Die Bodenwanne des Innenzeltes wird unten mit Paracord abgespannt. Das funktioniert, erzeugt aber eine starre Spannung, die dauerhaft auf das Material wirkt. Besonders wenn das Zelt auf unebenem Untergrund steht, kann das über längere Zeit das Material belasten.

Ich habe den Paracord hier durch Bungee-Cord ersetzt. Die Bodenwanne bleibt weiterhin gut abgespannt, aber die Spannung ist jetzt elastisch. Das schont das Material und gibt der Wanne etwas Spielraum, ohne dass sie durchhängt.

Eine kleine Änderung mit spürbarer Wirkung, vor allem auf langen Touren, wo das Zelt täglich auf- und abgebaut wird, ist diese eine Erleichterung, weil auch der optimale Aufbau einfacher gelingt.


Bungee-Cord am untersten Verbindungshaken

Am oberen Ende der Bodenwanne gibt es Verbindungshaken, die das Innenzelt mit dem Außenzelt verbinden. Auch hier liegt werksseitig eine Verbindung vor. Ich habe diese Verbindung an allen Ecken gelöst am Haken des Innenzeltes zusätzlich Bungee-Cord angebracht und mit einer kurzen Abspannleine versehen.

Das hat zwei Effekte. Zum einen wird die Spannungsspitzen auf das Material reduziert. Das Zelt wirkt insgesamt straffer und strukturierter und der nutzbare Raum im Inneren ist gefühlt etwas größer.

Hinweis: Nicht zu straff spannen

Beim Einsatz von Bungee-Cord gilt, lieber mit etwas weniger Spannung als zu viel herangehen. Zu straff gespannte Bungees können Nähte und Materialübergänge langfristig genauso belasten wie starrer Paracord. Das Ziel ist eine federnde, nicht eine maximale Spannung.



Farbiger Paracord an den Reißverschlüssen

Das Innenzelt des Lanshan 2 hat pro Seite drei Reißverschlüsse. Im Dunkeln oder bei Müdigkeit nach einem langen Wandertag ist es nicht immer leicht, schnell den richtigen Griff zu finden.

Meine Lösung ist denkbar simpel. Ich habe den originalen Paracord an den Reißverschlüssen durch farbigen Paracord ersetzt, wobei jede Farbe einem bestimmten Reißverschluss zugeordnet ist. So finde ich - auch weil er teils Licht reflektiert auch nachts ohne Stirnlampe sofort den richtigen Zug.


Bungeeband am Trekkingstock-Band der Zeltwanne

An der Zeltwanne gibt es auf beiden Seiten mittig bei den Türen eine breite Schlaufe, in das man seinen Trekkingstock stecken soll, um die Wanne mit dem Stock seitlich etwas zu spannen. Das Original-Band ist breit genug, aber das Einstecken und Fixieren des Stockes ist extrem fummelig.

Ich habe dort zusätzlich ein schmales Bungeeband angebracht. So lässt sich die Zeltwanne deutlich leichter und schneller am jeweiligen Trekkingstock befestigen. Besonders praktisch ist das beim Aufbau unter Zeitdruck oder bei schlechtem Wetter, wenn man ohnehin schon unter Stress steht.


Komfort-Hacks: Licht, Stauraum und Ordnung im Zelt

Neben den technischen Anpassungen an Außen- und Innenzelt gibt es eine Reihe von kleinen Hacks, die den Alltag im Zelt deutlich komfortabler oder organisierter machen. Keiner davon ist aufwendig oder teuer. Aber zusammen machen sie einen spürbaren Unterschied, wenn man viele Nächte im Zelt verbringt.


Spannleine mit Lampenaufhängung im Innenzelt

Das Lanshan 2 hat im Innenzelt kleine Haken, die für Gepäck oder Lampen gedacht sind. Ich habe zwischen die beiden Haken im First des Innenzeltes eine spannbare Leine montiert, die mehrere Funktionen erfüllt. So kann ich eine kleine Lampe daran aufhängen und bekomme so diffuses, angenehmes Licht im gesamten Innenraum. Gleichzeitig nutze ich die Leine ggf. zum Aufhängen feuchter Kleidungsstücke, die über Nacht trocknen sollen. Und meine Brille hänge ich dort ebenfalls auf.So liegt sie nicht irgendwo auf dem Boden und ich finde sie bei Bedarf sofort, ohne in der Zwischenzeit vielleicht schon drauf gesessen zu haben.

Zitat von Andrew Skurka

A well-organized shelter is a well-rested hiker. Every minute you spend fumbling around in the dark at camp is a minute of sleep you didn't get.



Frischebeutel als improvisierter Organizer

Dieser Hack ist so simpel, dass er fast schon absurd wirkt und trotzdem gehört er zu meinen Favoriten. Ich verwende einen einfachen Frischebeutel für Obst und Gemüse von Lidl, fülle ihn mit Kleinkram wie Stirnlampe, technischer Ausrüstung wie Ladekabel und Powerbank oder mit Snacks und hänge ihn an den vom genutzten Ausgang abgewandten Haken.

Das Netz des Beutels ist leicht, man kann leicht durchschauen, um den Inhalt auf einen Blick zu sehen und das Gewicht ist vernachlässigbar. Eine selbstgemachte Organizer-Tasche fürs Zelt, die keine 10 Gramm wiegt.


Haken mit Bungee-Cord außen am Trekkingstock

Außerhalb des Zeltes fehlt oft ein praktischer Aufhängepunkt für Kleinigkeiten wie etwa eine Mülltüte. Ich habe einen einfachen kleinen Haken an ein Stück Bungee-Cord gebunden und befestige dieses Konstrukt außen am Trekkingstock des genutzten Ausgangs.

Der Haken hält durch die Elastizität des Bungees sicher am Stock und lässt sich im Handumdrehen anbringen und wieder entfernen. Praktisch, leicht und vielseitig einsetzbar.


Wäscheklammern für die eingerollte Apside

Wer kennt es nicht, man rollt die Apside ein und bei der nächsten Windböe hängt sie wieder halb geöffnet neben dem Zelt. Die Lösung ist denkbar einfach. Ich verwende zwei Plastik-Wäscheklammern, um die eingerollte Apside sicher an der Zeltwand zu befestigen. Selbst bei windigen Verhältnissen bleibt sie so zuverlässig in Position. Die Klammern wiegen fast nichts, kosten fast nichts und lösen ein Problem, das mich vorher regelmäßig genervt hat.

Link: Inspiration für diese Modifikationen

Viele der hier beschriebenen Anpassungen haben ihren Ursprung in YouTube-Videos von Long Suffering Hiker, einem empfehlenswerten Kanal rund um Zeltreviews mit praxisnahen Tipps und ehrlichen Erfahrungsberichten.



Fazit: Kleiner Aufwand, große Wirkung

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Das 3F UL Gear Lanshan 2 ist ein starkes Ultralight-Zelt. Aber es wird mit diesen Anpassungen zu einem noch besseren Begleiter auf dem Trail. Alle hier beschriebenen Modifikationen habe ich selbst getestet und sie haben sich auf mehreren Touren bewährt.

Keine dieser Modifikationen erfordert handwerkliches Talent oder teures Werkzeug. Sie erfordern nur etwas Zeit, ein paar Meter Bungee-Cord und Leine sowie den Willen, das eigene Equipment wirklich zu verstehen.

Die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst:

Die verbesserte Firstabspannung mit O-Ring und UHMWPE-Leine steigern die Belüftung und die Stabilität bei Wind. Das Kettenlinien-Prinzip macht den Innenraum spürbar geräumiger. Die Bungee-Cords an Bodenwanne und Verbindungshaken schonen das Material über die Lebensdauer des Zeltes. Die farbigen Paracords, die Spannleine im Innenzelt und die Wäscheklammern machen den Alltag im Zelt komfortabler. Und der Frischebeutel von Lidl gehört inzwischen zu meiner festen Packstrategie.

Wenn du selbst ein Lanshan 2 besitzt oder dir überlegst, eines anzuschaffen, empfehle ich dir, diesen Anpassungen eine Chance zu geben. Die Investition in Material und Zeit ist gering, der Gewinn an Komfort und Zuverlässigkeit ist es nicht.


Hast du eigene Modifikationen an deinem Lanshan 2 oder einem anderen Ultralight-Zelt vorgenommen? Oder hast du Fragen zu einer der beschriebenen Anpassungen? Ich freue mich auf deinen Input – schreib mir gerne direkt über das Kontaktformular und lass uns austauschen.


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