Das Auswahlparadox - warum weniger manchmal mehr ist
Dienstag, 17. Februar 2026
Quelle: Tim Mossholder auf Unsplash
Lesedauer: 18 Minuten
Kennst du das? Du stehst vor der Eisdiele und starrst auf die Vitrine mit 30 verschiedenen Sorten. Erdbeer-Basilikum, Salted Caramel, Pistazie, klassische Vanille... Die Schlange hinter dir wird länger, der Druck steigt. Am Ende entscheidest du dich für Schokolade – und fragst dich den ganzen Nachmittag, ob das Mango-Maracuja nicht doch besser gewesen wäre.Ich erinnere mich noch gut an die Zeit nach dem Mauerfall, wo es im Osten Deutschlands beim Softeis genau zwei Optionen gab: Vanille oder Schokolade. Die Entscheidung? In fünf Sekunden getroffen, ohne Reue.
Was auf den ersten Blick wie ein belangloses Alltagsproblem aussieht, ist in Wahrheit ein faszinierendes psychologisches Phänomen, das unser Leben in allen Bereichen beeinflusst. Ob beim Berufswechsel, bei der Partnerwahl, beim Online-Shopping oder bei der Wahl des richtigen Netflix-Films – wir leben in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten.
Und genau das wird zum Problem. Denn entgegen der weit verbreiteten Annahme macht uns mehr Auswahl nicht glücklicher. Im Gegenteil, sie kann uns lähmen, stressen und am Ende unzufriedener zurücklassen als zuvor.
In diesem Beitrag erfährst du, was das Auswahlparadox ist, warum zu viele Optionen uns mental belasten und wie du mit einfachen Strategien bessere Entscheidungen triffst, ohne dich dabei zu überfordern. Ich zeige dir, wie du die Balance zwischen Wahlfreiheit und Entscheidungsfreude finden kannst.
Kurze inhaltliche Übersicht
- → Was ist das Auswahlparadox?
- → Die Psychologie hinter zu viel Auswahl
- ↳ Decision Fatigue – wenn Entscheiden müde macht
- ↳ FOMO und die Angst vor der falschen Wahl
- ↳ Opportunity Cost – der Preis der nicht gewählten Option
- → Das Auswahlparadox im digitalen Zeitalter
- → Die zwei Seiten der Wahlfreiheit
- → Strategien für bessere Entscheidungen
- ↳ Die 3-Optionen-Regel
- ↳ Satisficing statt Maximizing
- ↳ Entscheidungsroutinen etablieren
- ↳ Vorfilter nutzen und Zeitlimits setzen
- ↳ Elimination vor Selektion
- ↳ Wichtige vs. unwichtige Entscheidungen unterscheiden
- → Fazit – Freiheit durch bewusste Reduktion
Was ist das Auswahlparadox?
Das Auswahlparadox beschreibt ein Phänomen, das der amerikanische Psychologe Barry Schwartz in seinem wegweisenden Buch "The Paradox of Choice" prägte. Die zentrale These des Buches ist, das wir intuitiv glauben, dass mehr Wahlmöglichkeiten uns glücklicher machen, sie oft aber das genaue Gegenteil bewirken. Ab einem bestimmten Punkt führt eine größere Auswahl nicht zu besseren Entscheidungen, sondern zu Überforderung, Unzufriedenheit und Entscheidungslähmung.Schwartz konnte in verschiedenen Studien zeigen, dass Menschen paradoxerweise weniger kaufen, wenn sie mit zu vielen Optionen konfrontiert werden. In einem berühmten Experiment mit Marmeladensorten kauften nur 3 Prozent der Kunden, wenn 24 Sorten angeboten wurden. Im Gegensatz dazu griffen aber 30 Prozent zu, wenn nur 6 Sorten zur Auswahl standen. Die Erkenntnis ist verblüffend. Weniger Optionen führen zu mehr Zufriedenheit mit der getroffenen Wahl.
Zitat von Barry Schwartz
Die Tatsache, dass manche Auswahl gut ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass mehr Auswahl besser ist.
Die Tatsache, dass manche Auswahl gut ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass mehr Auswahl besser ist.
Das Problem liegt nicht in der Wahlfreiheit an sich, sondern in unserem Umgang damit. Unser Gehirn ist evolutionär nicht darauf ausgelegt, täglich hunderte von Entscheidungen zu treffen. Während unsere Vorfahren bestenfalls zwischen einer Handvoll Optionen wählen mussten, stehen wir heute vor einem schier unendlichen Meer an Möglichkeiten und unser kognitives System reagiert darauf mit Stress.
Die Psychologie hinter zu viel Auswahl
Um zu verstehen, warum uns zu viele Optionen belasten, müssen wir einen Blick auf die psychologischen Mechanismen werfen, die dabei eine Rolle spielen. Drei Konzepte sind hier besonders wichtig. Decision Fatigue, FOMO und Opportunity Cost. Sie erklären, warum wir nach einem langen Tag im Supermarkt mental völlig erschöpft sein können.Decision Fatigue – wenn Entscheiden müde macht
Decision Fatigue, also Entscheidungsmüdigkeit, beschreibt die abnehmende Qualität unserer Entscheidungen, je mehr davon wir treffen müssen. Stell dir vor, du verbringst den Vormittag damit, berufliche Entscheidungen zu treffen, wählst mittags aus 15 Gerichten im Restaurant, scrollst nachmittags durch unzählige Produktbewertungen für einen neuen Mixer und sollst abends noch entscheiden, welchen Film ihr schauen wollt. Am Ende des Tages ist deine mentale Batterie leer.Studien zeigen, dass Richter nach einer Pause deutlich mildere Urteile fällen als vor einer Pause. Einfach weil ihre Entscheidungsenergie aufgebraucht ist. Das gleiche Prinzip gilt für uns alle. Jede Entscheidung, egal wie klein, zapft unsere kognitiven Ressourcen an. Und je mehr Optionen wir haben, desto anstrengender wird der Prozess.
Tipp: Energie sparen durch Routinen
Automatisiere wiederkehrende Entscheidungen, wo immer möglich. Steve Jobs trug jeden Tag das gleiche Outfit, um seine Entscheidungsenergie für wichtigere Dinge aufzusparen. Du musst nicht gleich so radikal sein, aber überlege dir, welche täglichen Kleinentscheidungen du durch feste Routinen ersetzen kannst?
Automatisiere wiederkehrende Entscheidungen, wo immer möglich. Steve Jobs trug jeden Tag das gleiche Outfit, um seine Entscheidungsenergie für wichtigere Dinge aufzusparen. Du musst nicht gleich so radikal sein, aber überlege dir, welche täglichen Kleinentscheidungen du durch feste Routinen ersetzen kannst?
FOMO und die Angst vor der falschen Wahl
FOMO – Fear of Missing Out – ist die Angst, etwas zu verpassen oder die falsche Entscheidung zu treffen. Je mehr Optionen uns zur Verfügung stehen, desto größer wird diese Angst. Wenn ich mich für Job A entscheide, verpasse ich vielleicht die besseren Karrierechancen bei Job B. Wenn ich diesen Partner wähle, gibt es da draußen vielleicht noch jemanden, der noch besser zu mir passt.Diese ständige Hinterfragung unserer Entscheidungen macht uns unglücklich. Selbst wenn wir objektiv eine gute Wahl getroffen haben, nagt der Gedanke an die nicht gewählten Alternativen an uns. FOMO verstärkt sich besonders in unserer digital vernetzten Welt, wo wir ständig sehen, was andere erleben, kaufen oder erreichen. Die Folge: Wir sind nie wirklich zufrieden mit dem, was wir haben.
Opportunity Cost – der Preis der nicht gewählten Option
Opportunity Cost bezeichnet den Wert dessen, was wir aufgeben, wenn wir uns für eine Option entscheiden. Jede Entscheidung bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf alle anderen Möglichkeiten. Dieser Gedanke kann lähmend wirken. Wenn ich diese Fortbildung mache, kann ich nicht gleichzeitig jene Konferenz besuchen. Wenn ich meinen Urlaub in Italien verbringe, sehe ich nicht die Fjorde Norwegens.Je mehr Optionen wir haben, desto höher erscheinen die Opportunity Costs, selbst wenn sie in der Realität vielleicht gar nicht so hoch sind. Unser Gehirn neigt dazu, die nicht gewählten Optionen zu idealisieren und zu überschätzen. Das Ergebnis: Wir bereuen unsere Entscheidungen häufiger, auch wenn sie objektiv gut waren.
Information: Der Maximizer vs. Satisficer
Psychologen unterscheiden zwischen zwei Entscheidungstypen. Maximizer suchen immer nach der absolut besten Option und vergleichen endlos. Satisficer hingegen wählen die erste Option, die ihre Kriterien erfüllt. Studien zeigen, dass Satisficer deutlich zufriedener mit ihren Entscheidungen sind, auch wenn Maximizer objektiv oft bessere Ergebnisse erzielen.
Psychologen unterscheiden zwischen zwei Entscheidungstypen. Maximizer suchen immer nach der absolut besten Option und vergleichen endlos. Satisficer hingegen wählen die erste Option, die ihre Kriterien erfüllt. Studien zeigen, dass Satisficer deutlich zufriedener mit ihren Entscheidungen sind, auch wenn Maximizer objektiv oft bessere Ergebnisse erzielen.
Das Auswahlparadox im digitalen Zeitalter
Quelle: ilgmyzin auf Unsplash
Die digitale Welt hat die Anzahl unserer täglichen Entscheidungen vervielfacht. Früher gab es drei Fernsehkanäle, heute haben wir Zugriff auf praktisch jedes jemals produzierte Video. Früher kauften wir im lokalen Geschäft aus dem verfügbaren Sortiment, heute können wir weltweit vergleichen und bestellen. Diese Entwicklung bringt zweifellos Vorteile, aber sie hat auch einen mentalen Preis.
Besonders problematisch dabei ist, dass es im digitalen Raum es keine natürliche Begrenzung gibt. Die Feeds sind endlos, die Produktlisten gehen über hunderte Seiten, die Dating-Apps zeigen immer noch ein weiteres Profil. Diese künstlich erzeugte Unbegrenztheit überfordert unser Gehirn systematisch. Wir können nie sicher sein, ob wir nicht doch noch etwas Besseres finden, wenn wir nur noch ein bisschen weiter scrollen.
Hinweis: Die Illusion der unbegrenzten Auswahl
Algorithmen zeigen uns nur einen Bruchteil der verfügbaren Optionen – aber sie erwecken den Eindruck unendlicher Auswahl. Diese Illusion verstärkt das Auswahlparadox, ohne uns tatsächlich mehr echte Kontrolle zu geben. Sei dir bewusst, das das was du siehst, bereits gefiltert ist.
Algorithmen zeigen uns nur einen Bruchteil der verfügbaren Optionen – aber sie erwecken den Eindruck unendlicher Auswahl. Diese Illusion verstärkt das Auswahlparadox, ohne uns tatsächlich mehr echte Kontrolle zu geben. Sei dir bewusst, das das was du siehst, bereits gefiltert ist.
Die zwei Seiten der Wahlfreiheit
Bei aller Kritik am Überangebot dürfen wir nicht vergessen, dass Wahlfreiheit grundsätzlich etwas Positives ist. Die Frage ist nicht, ob wir Auswahlmöglichkeiten haben sollten, sondern wie viele und in welchen Bereichen. Es geht um die richtige Balance zwischen lähmender Überforderung und einschränkender Begrenztheit.Wann viele Optionen hilfreich sind
Es gibt durchaus Situationen, in denen eine große Auswahl sinnvoll und wünschenswert ist. Bei wichtigen Lebensentscheidungen wie der Berufswahl, dem Wohnort oder langfristigen Beziehungen möchten wir zu Recht verschiedene Optionen abwägen können. Wenn wir spezielle Bedürfnisse haben, sei es aus gesundheitlichen, ethischen oder persönlichen Gründen, ist eine breite Auswahl unverzichtbar.Auch bei Dingen, die unsere Identität ausdrücken oder langfristige Konsequenzen haben, schätzen wir Wahlmöglichkeiten. Die Freiheit unseren eigenen Stil zu entwickeln, unsere Werte zu leben und unseren individuellen Weg zu gehen, ist ein hohes Gut. Der Mythos Mehr Auswahl ist immer besser ist also nicht grundsätzlich falsch. Er gilt nur nicht universell für alle Bereiche unseres Lebens.
Information: Der Mythos der unbegrenzten Freiheit
Viele glauben, dass mehr Auswahl automatisch zu mehr Freiheit und Glück führt. Psychologische Forschung zeigt jedoch, dass ab einem bestimmten Punkt aus Wahlfreiheit Wahlzwang wird. Wir fühlen uns verpflichtet, die perfekte Option zu finden und werden dadurch paradoxerweise unfrei.
Viele glauben, dass mehr Auswahl automatisch zu mehr Freiheit und Glück führt. Psychologische Forschung zeigt jedoch, dass ab einem bestimmten Punkt aus Wahlfreiheit Wahlzwang wird. Wir fühlen uns verpflichtet, die perfekte Option zu finden und werden dadurch paradoxerweise unfrei.
Wann weniger Auswahl befreit
Bei vielen alltäglichen Entscheidungen hingegen ist weniger definitiv mehr. Wenn es um routinemäßige, wiederkehrende oder unwichtige Dinge geht, befreit uns eine begrenzte Auswahl. Niemand braucht 47 Varianten von Zahnpasta, um glücklich zu sein. Die meisten von uns würden nicht unglücklicher, wenn das Restaurant statt 80 nur 15 Gerichte anbieten würde.Weniger Auswahl spart nicht nur mentale Energie, sondern erhöht auch die Zufriedenheit mit der getroffenen Entscheidung. Wenn ich zwischen drei guten Optionen wähle, kann ich relativ sicher sein, eine davon zu nehmen und glücklich damit zu sein. Bei 30 Optionen werde ich immer das Gefühl haben, vielleicht doch nicht die beste gewählt zu haben. Die Befreiung liegt im bewussten Verzicht auf Optionen, die uns nicht wirklich weiterbringen.
Der Schlüssel ist zu erkennen, welche Entscheidungen wirklich wichtig sind und welche nicht. Für die wichtigen nehmen wir uns Zeit und nutzen die verfügbare Auswahl. Für die unwichtigen setzen wir bewusst Grenzen und sparen unsere Entscheidungsenergie für das, was wirklich zählt.
Strategien für bessere Entscheidungen
Jetzt wird es praktisch. Wie können wir das Wissen über das Auswahlparadox nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen und dabei mental weniger belastet zu sein? Hier sind sechs bewährte Strategien, die ich dir ans Herz lege.Die 3-Optionen-Regel
Eine der einfachsten und wirksamsten Techniken ist die 3-Optionen-Regel. Egal wie viele Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen, reduziere sie bewusst auf maximal drei Alternativen, zwischen denen du dann wählst. Diese Anzahl ist überschaubar genug, um nicht zu überfordern, aber groß genug, um eine echte Wahl zu haben.So wendest du sie an. Wenn du vor einer Entscheidung stehst, mache eine Vorauswahl. Filtere nach deinen wichtigsten Kriterien und wähle die drei Optionen aus, die am besten passen. Dann vergleichst du nur noch diese drei miteinander. Alles andere ist vom Tisch. Diese Methode funktioniert bei Restaurantbesuchen genauso wie bei Jobentscheidungen oder der Wahl eines neuen Laptops. Du wirst überrascht sein, wie viel klarer und schneller du entscheiden kannst.
Satisficing statt Maximizing
Wie bereits erwähnt, gibt es zwei Grundtypen von Entscheidern, die Maximizer und die Satisficer. Maximizer suchen immer nach der absolut besten Option und vergleichen endlos. Satisficer hingegen definieren im Voraus ihre Mindestkriterien und wählen die erste Option, die diese erfüllt. Der Begriff setzt sich zusammen aus "satisfy" (zufriedenstellen) und "suffice" (genügen).Der Trick ist, zum bewussten Satisficer zu werden. Definiere vor deiner Suche klar, was dir wichtig ist. Wenn du eine Option findest, die alle deine relevanten Kriterien erfüllt, nimm sie ohne weiter zu suchen. Du wirst vielleicht nicht die objektiv beste Option finden, aber du wirst zufriedener sein, weniger Zeit verschwenden und weniger bereuen. Perfektion ist oft der Feind des Guten.
Tipp: Die "Gut genug"-Mentalität
Frage dich bei der nächsten Entscheidung: Ist das gut genug für meine Bedürfnisse? statt Ist das die allerbeste Option? Diese simple Perspektivverschiebung reduziert Stress und Entscheidungszeit erheblich. Probiere es beim nächsten Online-Einkauf aus.
Frage dich bei der nächsten Entscheidung: Ist das gut genug für meine Bedürfnisse? statt Ist das die allerbeste Option? Diese simple Perspektivverschiebung reduziert Stress und Entscheidungszeit erheblich. Probiere es beim nächsten Online-Einkauf aus.
Entscheidungsroutinen etablieren
Eine der mächtigsten Strategien gegen Decision Fatigue ist die Automatisierung wiederkehrender Entscheidungen durch feste Routinen. Überlege dir einmal, welche Entscheidungen du täglich oder wöchentlich treffen musst, die eigentlich keine kreative Energie erfordern. Was ziehe ich an? Was esse ich zum Frühstück? Wann gehe ich ins Fitnessstudio? Welchen Weg nehme ich zur Arbeit?Etabliere für solche Bereiche feste Routinen. Das kann bedeuten: Immer montags, mittwochs und freitags Sport. Jeden Morgen das gleiche Frühstück. Eine feste Garderobe für verschiedene Anlässe. Wochenpläne für Mahlzeiten. Diese Routinen nehmen dir keine Freiheit. Sie schenken dir Freiheit, indem sie mentale Kapazität für die wirklich wichtigen Entscheidungen freimachen.
Der Schlüssel ist, Routinen dort einzusetzen, wo die Entscheidung selbst keinen Mehrwert bringt. Niemand wird kreativer oder glücklicher dadurch, dass er jeden Morgen neu entscheidet, ob er Kaffee oder Tee trinkt. Aber du wirst produktiver sein, wenn diese Energie für bedeutsamere Dinge zur Verfügung steht.
Vorfilter nutzen und Zeitlimits setzen
Bevor du überhaupt anfängst, Optionen zu vergleichen, setze klare Vorfilter. Definiere deine absoluten Must-haves und Dealbreaker. Was muss die Option unbedingt haben? Was darf sie auf keinen Fall haben? Diese Kriterien sortieren bereits einen Großteil der Optionen aus, bevor du auch nur einen Gedanken an sie verschwendest.Kombiniere das mit strikten Zeitlimits. Gib dir selbst eine Deadline: Ich recherchiere 30 Minuten und treffe dann eine Entscheidung. Oder: Ich schaue mir maximal fünf Produkte an, dann entscheide ich. Diese künstliche Verknappung zwingt dich, fokussiert zu bleiben und verhindert das endlose Vergleichen. Oft ist die Entscheidung, die wir nach 30 Minuten treffen, genauso gut wie die nach drei Stunden, nur mit wesentlich weniger Stress.
Ein praktisches Beispiel: Beim Online-Shopping definiere erst dein Budget und drei wichtige Eigenschaften. Dann nutze die Filterfunktion, schau dir die ersten fünf Ergebnisse an und wähle. Fertig. Du sparst nicht nur Zeit, sondern vermeidest auch die mentale Erschöpfung des endlosen Scrollens.
Elimination vor Selektion
Statt zu versuchen, die beste Option zu finden, drehe den Prozess um. Eliminiere erst alles, was nicht passt. Dieser Ansatz ist psychologisch leichter, weil Aussortieren weniger kognitiv anspruchsvoll ist als Auswählen. Frage dich: Was kann ich definitiv ausschließen?Gehe systematisch vor. Sortiere aus, was nicht dein Budget erfüllt. Dann sortiere aus, was nicht deine zeitlichen Anforderungen erfüllt. Dann sortiere aus, was nicht deinen Werten entspricht. Am Ende bleiben oft nur noch wenige Optionen übrig, zwischen denen die Entscheidung dann leicht fällt. Diese Methode funktioniert besonders gut bei komplexen Entscheidungen mit vielen Kriterien.
Link: Entscheidungsmatrix-Template
Für komplexe Entscheidungen mit vielen Kriterien kann eine Entscheidungsmatrix hilfreich sein. Dabei gewichtest du verschiedene Faktoren und bewertest jede Option systematisch. Online findest du zahlreiche kostenlose Templates, die dir diese Methode erleichtern.
Für komplexe Entscheidungen mit vielen Kriterien kann eine Entscheidungsmatrix hilfreich sein. Dabei gewichtest du verschiedene Faktoren und bewertest jede Option systematisch. Online findest du zahlreiche kostenlose Templates, die dir diese Methode erleichtern.
Wichtige vs. unwichtige Entscheidungen unterscheiden
Die vielleicht wichtigste Metastrategie ist zu lernen, zwischen wichtigen und unwichtigen Entscheidungen zu unterscheiden. Nicht jede Wahl verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Entwickle ein Bewusstsein dafür, welche Entscheidungen langfristige Konsequenzen haben und welche nicht.Eine einfache Faustregel: Wenn die Entscheidung in einem Jahr keine Rolle mehr spielt, investiere maximal ein paar Minuten. Wenn sie dein Leben für die nächsten Jahre beeinflussen wird, nimm dir Zeit und Raum für eine gründliche Abwägung. Die meisten unserer täglichen Entscheidungen fallen in die erste Kategorie. Behandle sie auch so.
Erstelle für dich mental drei Kategorien: Triviale Entscheidungen (weniger als 5 Minuten), moderate Entscheidungen (bis zu einer Stunde) und wichtige Entscheidungen (so viel Zeit wie nötig). Die Kunst liegt darin, jede Entscheidung korrekt einzuordnen und dann entsprechend zu handeln. Die meisten Menschen verschwenden zu viel Zeit bei trivialen Entscheidungen und zu wenig bei den wirklich wichtigen.
Fazit – Freiheit durch bewusste Reduktion
Das Auswahlparadox zeigt uns eine unbequeme Wahrheit: Mehr Optionen machen uns nicht automatisch glücklicher oder freier. Im Gegenteil, sie können uns lähmen, stressen und unzufrieden zurücklassen. Die gute Nachricht ist: Wir sind dieser Dynamik nicht hilflos ausgeliefert. Durch bewusste Strategien können wir die Kontrolle über unsere Entscheidungen zurückgewinnen. Die wichtigsten Erkenntnisse nochmal zusammengefasst:
Information: Key Takeaways
- Reduziere aktiv die Anzahl der Optionen, mit denen du dich beschäftigst. Die 3-Optionen-Regel hilft dir dabei.
- Werde zum Satisficer – definiere deine Kriterien und wähle die erste Option, die diese erfüllt.
- Automatisiere unwichtige, wiederkehrende Entscheidungen durch Routinen.
- Nutze Vorfilter und Zeitlimits, um fokussiert zu bleiben.
- Eliminiere erst, was nicht passt, statt nach der perfekten Option zu suchen.
- Unterscheide klar zwischen wichtigen und unwichtigen Entscheidungen.
Ein letzter Gedanke zum Mythos "Wer sich nicht entscheiden kann, ist schwach". Das Gegenteil ist wahr. Entscheidungsschwierigkeiten sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein völlig normales Resultat kognitiver Überlastung in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten.
Stärke zeigt sich nicht darin, perfekte Entscheidungen zu treffen, sondern darin, bewusst auf überflüssige Optionen zu verzichten. Weniger Auswahl bedeutet oft mehr Lebensqualität, mehr Zufriedenheit und mehr mentale Energie für das, was wirklich zählt.
Die wahre Freiheit liegt nicht in der maximalen Anzahl von Optionen, sondern in der Fähigkeit, bewusst zu wählen, womit wir uns beschäftigen wollen und womit nicht. In diesem Sinne, triff weniger Entscheidungen, aber bessere.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir geholfen, das Auswahlparadox besser zu verstehen und praktische Strategien für deinen Alltag zu entwickeln. Hast du eigene Erfahrungen mit der Überforderung durch zu viele Optionen gemacht? Oder verwendest du bereits eine der genannten Strategien erfolgreich? Ich würde mich freuen, von dir zu hören! Schreib mir gerne über das Kontaktformular – ich bin gespannt auf deine Perspektive und beantworte gerne deine Fragen zum Thema.
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