28 km Wanderung um den Ratzeburger See – Mein Belastungstest

Freitag, 24. April 2026
Serie Outdoor S2 • E15
Google Maps Escheburg
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Lesedauer: 11 Minuten

Ostern 2026 war für mich die perfekte Gelegenheit, meine körperliche Leistungsfähigkeit auf einer langen Tageswanderung auf die Probe zu stellen.

Nicht irgendwo in den Alpen oder auf einem der großen Fernwanderwege, sondern direkt vor meiner Haustür: einmal komplett um den Ratzeburger See.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meine bisher längste Tageswanderung: 28 Kilometer um den Ratzeburger See mit voller Trekkingausrüstung. Du erfährst, wie die Route verlief, welche Überraschungen am Weg lagen, ab welchem Kilometer mein Körper deutlich protestierte und welche Erkenntnisse ich für meine künftige Tourenplanung mitnehme.

Kurze inhaltliche Übersicht



Bereits am Karfreitag hatte ich mich mit einer 15-Kilometer-Runde um den kleinen Küchensee in Ratzeburg warmgelaufen (Tour auf Komoot). Am Ostermontag sollte es dann ernst werden: 28 Kilometer, volle Trekkingausrüstung, 10 Kilogramm auf dem Rücken. Nicht weil ich musste, sondern weil ich wissen wollte, was mein Körper unter realistischen Bedingungen auf einer solchen Distanz macht.

Denn genau das ist der Kern meiner Vorbereitung auf längere Mehrtageswanderungen. Ich brauche belastbare Daten darüber, wie mein Körper reagiert, wann er Pausen einfordert und wo meine aktuellen Grenzen liegen. Die Runde um den Ratzeburger See war dafür ideal – und die Ergebnisse waren aufschlussreich.


Die Ausgangslage: Warum 28 km mit vollem Gepäck?

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Meine bisherige längste Tagesetappe lag bei 24,5 Kilometern und diese absolviert ich während meines Trainingslagers in Dänemark). Grund für die Runde um den Ratzeburger war allerdings nicht, einen neuen Rekord aufzustellen, sondern die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit meines Körpers zu testen!

Die Route um den Ratzeburger See ist einfach eine wunderschöne Tageswanderung, die auf der Westseite des Sees zudem zahlreiche Ausstiegsmöglichkeiten per Bus bietet. Falls also mein Körper vorzeitig schlappgemacht hätte, wäre ein Abbruch jederzeit sehr gut möglich gewesen.

Bewusst hatte ich mich entschieden, mit meiner vollen Trekkingtourenausrüstung von rund 10 Kilogramm loszulaufen. Nicht weil eine Tageswanderung das erfordert. Ich wollte realistische Bedingungen schaffen, um belastbare Erkenntnisse für die Planung meiner nächsten Mehrtageswanderungen zu sammeln.

An den Füßen trug ich meine bewährten Topo Athletic Traverse – leicht, breite Zehenbox, für mich der perfekte Trekkingschuh.

Das Wetter spielte an diesem Ostermontag auch weitgehend mit. 12 Grad, ein angenehmer Sonne-Wolken-Mix waren gute Grundvoraussetzungen. Einzig der Wind mit mindestens 6 Beaufort machte einige Passagen gerade auf der Ostseite des Sees bspw. auf dem freien Feld oder unter Bäumen unangenehm bis gefährlich, weil sich die Bäume knarzend im starken Wind hin und her bewegten.

Hinweis: Windbruchgefahr im Wald

Bei starkem Wind solltest du bewaldete Abschnitte mit besonderer Vorsicht begehen. Herabfallende Äste sind eine reale Gefahr, die viele Wanderer unterschätzen. Nur einen Tag zuvor wurden im Großraum Flensburg eine Mutter mit ihrem Baby und eine 16-Jährige beim Ostereiersammeln von einem umstürzenden Baum erschlagen! Halte dich bei Sturm möglichst von alten, hohen Bäumen fern und durchquere kritische Passagen zügig.



Die Route: Gegen den Uhrzeigersinn um den See

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Start war der Parkplatz der Riemannhalle in Ratzeburg. Von dort aus lief ich die Runde gegen den Uhrzeigersinn, sodass die ersten Kilometer mich direkt in Richtung Norden führten.

Die Zwischenziele auf der östlichen Seeseite waren zunächst Römnitz und der Campingplatz Kalkhütte und dann, von mir im Moment des Übertritts völlig unbemerkt, die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze.

Ich bin in dieser Region aufgewachsen und wusste natürlich, dass die Route mich durch Mecklenburg-Vorpommern führen würde. Aber an der eigentlichen Grenze gibt es keinen Gedenkstein, kein Schild, keine Markierung.

Die einst so unüberwindbare Grenze ist heute einfach verschwunden und das ist vielleicht eine der schöneren Botschaften, die ein Wanderweg vermitteln kann.


Durch Mecklenburg-Vorpommern: Kopfsteinpflaster und sanierte Bauernhäuser

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Mein erstes Zwischenziel in Mecklenburg-Vorpommern war Campow, ein kleines Dorf mit wunderschön sanierten Bauernhäusern.

Was mir generell auf dem Abschnitt durch Mecklenburg-Vorpommern auffiel war, dass die Straßen in hervorragendem Zustand und die Häuser liebevoll hergerichtet waren. Von altem DDR-Grau und Verfall keine Spur.

Die Wegbeschaffenheit war hier allerdings fast ausschließlich Asphalt und Kopfsteinpflaster, was nicht gerade das ist, was Wandererherzen höherschlagen lässt. Andererseits kommt man so aber zügig voran.

Nächstes Zwischenziel war das Örtchen Utecht, das ich nach etwa 10 Kilometern erreichte. Hier machte ich mangels früherer Möglichkeit meine erste richtige Pause.

Dabei musste ich die ganze Zeit mit mir kämpfen, nicht eine der eiskalten Dosen Cola aus dem dortigen Automatenkiosk zu kaufen. Wer mich kennt, weiß, dass das ein harter innerer Kampf war. Aber ich blieb standhaft.

Tipp: Verpflegung auf der Route

Auf den ersten 10 Kilometern durch Mecklenburg-Vorpommern gibt es wenige Einkehrmöglichkeiten. Nimm ausreichend Wasser und Snacks mit. Es gibt zwar vereinzelte Einkehrmöglichkeiten entlang der Route, du solltest aber vorher unbedingt die Öffnungszeiten prüfen, gerade wenn du an einem Wochentag unterwegs bist. Ich selbst kam mit 4 Müsliriegeln und 1 Liter Wasser durch die gesamte Tour.



An der Wakenitz: Segelvereine und ein mies gelaunter Rentner

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Bei Rothenhusen, wo es auch einen Anleger für die Seenrundfahrt gibt, überquerte ich die Wakenitz. Und dort erwartete mich die wohl unterhaltsamste Begegnung des Tages.

Ein offensichtlich schlecht gelaunter Rentner begrüßte mich mit den Worten Ach, wieder einer von diesen Stöckerern. Er spielte damit vermutlich auf die Geräusche an, die meine Trekkingstöcke auf dem harten Boden machten. Meine Antwort? Ach, wieder so ein Motzki. Ich wünsche Ihnen aber trotzdem schöne Ostern. Dazu ein breites, provokantes Grinsen. Manchmal muss man einfach mit Humor kontern.

Kurz nach Rothenhusen wurde es dann richtig interessant, denn zahlreiche Segelvereine säumten den Weg und die hatten etwas, das ich so noch nie gesehen hatte. Kleine Wochenendhütten direkt auf dem Vereinsgelände für die Segler. Eine ganz eigene kleine Welt am Wasser, die wirklich sehr charmant und einladend wirkte.


Das Westufer: Traumhafte Trails und erste Erschöpfung

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Über Groß Sarau, Pogeez, Buchholz und Einhaus ging es auf der Westseite des Sees zurück Richtung Ratzeburg. Und hier veränderte sich die Wanderung grundlegend und das in zweierlei Hinsicht.

Zum einen wurde der Weg wunderschön. Bis Buchholz führte ein meist schmaler Trail direkt auf Seehöhe am Ufer entlang. Flach, naturnah, herrlich zu laufen. Außerdem standen hier immer wieder riesige Anwesen, die interessant zu begutachten waren und den Abschnitt aus landschaftlicher Sicht zum Highlight der gesamten Tour machte.

Zum anderen machte sich ab Kilometer 20 mein Körper zunehmend bemerkbar. Ich nutzte jede sich bietende Möglichkeit zur Rast und merkte deutlich, dass die Reserven schwanden.

Verstärkt wurde das durch die Tatsache, dass es nach Buchholz bis Ratzeburg plötzlich sehr hügelig wurde. Nach den flachen Kilometern zuvor eine echte Herausforderung für Beine und Kopf.

Information: Höhenprofil der Route

Insgesamt weist die Runde rund 200 Höhenmeter auf. Die Höhenmeter sind allerdings ungleichmäßig verteilt. Die Ostseite und der Abschnitt bis Buchholz sind weitgehend flach oder weise nur kurze An- und Abstiege auf. Zwischen Buchholz und Ratzeburg wird es dagegen überraschend hügelig mit teils steilen und längeren Anstiegen. Plane für diesen Abschnitt am Ende der Tour entsprechend mehr Zeit und Kraft ein.

In Ratzeburg selbst führte der Weg dann noch entlang der Küchenseepromenade und über den ehemaligen Eisenbahndamm um den kleinen Küchensee. Ein letzter sehr steiler Anstieg zum Parkplatz der Riemannhalle und ich stand nach 6 Stunden und 47 Minuten wieder an meinem Auto. Geschafft und das im doppelten Sinne.


Was mein Körper mir nach 28 km sagte

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Quelle: Europeana auf Unsplash
Unmittelbar nach der Wanderung fühlte ich mich erschöpft, aber zufrieden. 28 Kilometer, 200 Höhenmeter, 10 Kilogramm Gepäck und ich hatte trotzdem das Gefühl, mit entsprechenden Pausen vielleicht sogar noch 5 Kilometer mehr schaffen zu können. Mein bisheriger Rekord von 24,5 Kilometern war damit deutlich übertroffen.

Am nächsten Tag sah die Welt allerdings etwas anders aus. Meine Knie waren leicht angeschwollen. Ein Phänomen, mit dem ich inzwischen Routine habe, das ich gut einschätzen kann und nach 2-3 Tagen meist wieder abgeklungen ist. Neu war allerdings ein drückender Schmerz am linken oberen Wadenbeinkopf, der auch einige Zentimeter das Wadenbein runter strahlte. Das kannte ich bisher nicht.

Mögliche Ursachen, die zu solchen Symptomen führen können, sind eine Reizung des Nervus peroneus communis, eine Blockade des Fibulakopfes oder eine Überbeanspruchung der Muskelansätze am Wadenbeinkopf. Für mich heißt das, meinen Körper die nächsten Tage genau zu beobachten, ihm Zeit zu geben und das Symptom bei der Planung der nächsten langen Tour im Hinterkopf zu behalten.

Link: Die komplette Route auf Komoot

Die vollständige Route meiner 28-km-Wanderung um den Ratzeburger See findest du auf Komoot. Dort kannst du dir auch das Höhenprofil, die Wegbeschaffenheit und alle Details ansehen.



Fazit: Was ich für meine Tourenplanung mitnehme

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Diese 28 Kilometer um den Ratzeburger See waren weit mehr als eine schöne Osterwanderung. Sie waren ein gezielter Belastungstest, der mir wertvolle Daten für meine künftige Tourenplanung geliefert hat.

Die wichtigste Erkenntnis war dabei, dass mein Körper die Distanz mit voller Ausrüstung bewältigen kann, aber ab Kilometer 20 deutlich häufigere Pausen braucht. Für Mehrtageswanderungen bedeutet das, dass ich Tagesetappen von 20 bis 25 Kilometern einplanen sollte, um Reserven für den nächsten Tag zu behalten.

Die 28 Kilometer waren machbar, aber die Reaktion meiner Knie und der neue Schmerz am Wadenbeinkopf zeigen klar, dass ich diese Distanz noch nicht regelmäßig abrufen kann.

Ebenso wichtig war die Feststellung, dass die Route selbst gezeigt hat, wie wertvoll es ist, Ausstiegsmöglichkeiten entlang des Weges zu haben. Das gibt Sicherheit und nimmt den Druck, eine Etappe um jeden Preis durchziehen zu müssen. Dieses Prinzip werde ich bei der Planung meiner nächsten Mehrtageswanderungen konsequent berücksichtigen.

Und ganz nebenbei war es eine wunderbare Wanderung durch zwei Bundesländer, mit einer unvergesslichen Begegnung an der Wakenitz und der Erkenntnis, dass der ehemalige Eiserne Vorhang heute schlimmstenfalls ein Wiesenstreifen ist, ohne jede Markierung, ohne jede Spur.


Du planst selbst eine längere Wanderung und möchtest dich dazu austauschen? Oder hast du Fragen zu meiner Ausrüstung, Tourenplanung oder Erfahrungen auf dem Weg? Dann schreib mir gern über mein Kontaktformular. Ich freue mich immer über den Austausch mit anderen Wanderbegeisterten!


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