Schwein gehabt?!

Dienstag, 14. Juli 2020
Serie Covid-19 S2 • E2
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Lesedauer: 5 Minuten

In meinem Post Positiv? hatte ich meine letzte Rückreise aus Việt Nam im März diesen Jahres geschildert, das unwohle Gefühl während dieser Rückreise über 3 internationale Flughäfen und wie sich gewisse Symptome bei mir nach und nach entwickelten. Ich berichtete auch von meinem Versuch, getestet zu werden. Leider aber ohne Erfolg... Wie ging es denn dann weiter? Was hatte es mit der Verwirrung meines Geruchssinnes auf sich?

Nun, ich hatte mich am ungefähr 10ten Tag meiner Isolation so richtig auf eine Badewanne gefreut. Ich ließ das Wasser ein und gab ordentlich Badeschaum dazu. Ich lag aber kaum in der Wanne und hatte es mir so richtig bequem gemacht, da wurde mir auf einmal Übel. Boah, hat mir hier einer auf die von der Fußbodenheizung erwärmten Fliesen geschissen oder liegt hier irgendwie ein totes Tier?

Es stank trotz parfümiertem Schaumbad wie Hulle – dachte ich zumindest – und das ging so weit, dass ich nur wenige Sekunden später triefend nass aus der Wanne sprang, meinen Kopf über der Toilette platzierte und es einfach passieren ließ... Wenige Stunden später war das echt unangenehme Problem dann behoben. Aber nur dahingehend, dass ich gar nichts mehr roch!

Im gleichen Zeitraum verlor ich dann auch meinen Geschmackssinn. Schon seltsam, wenn so was ganz Natürliches wie Schmecken oder Riechen plötzlich weg ist. Ich empfand das rückblickend als nicht sooo leicht wahrnehmbar. Ich hatte mit Bucatini all´Amatriciana eine meiner Leibspeisen auf dem Teller. Normalerweise esse ich davon locker zwei bis drei Teller. Aber an diesem besonderen Abend aß ich nicht mal den ersten Teller auf. Es schmeckte mir einfach nicht. Komisch. Schmeckte es mir nicht oder schmeckte es einfach nach nichts? Letzteres!!

Am darauffolgenden Wochenende und das erschreckend genau 14 Tage nach meiner Rückkehr spitzte sich dann die Stärke meiner Symptome wirklich dramatisch zu. Obwohl ich vormittags einfach nur auf der Couch saß und Fernsehen guckte, ich also ausdrücklich keinerlei körperliche Anstrengung ausübte, hatte ich den Eindruck immer noch schlechter Luft zu bekommen. Deutlich schlechter als je zuvor! Das Atmen fiel mir so verdammt schwer und bei sehr viel Kraftaufwand für das Atmen sollte es leider nicht bleiben...

Ich saß nach 11 Stunden Durchschlafen und einem kleinen, weil geschmacklosen Frühstück einfach nur auf der Couch und guckte Fernsehen. Ich stand auf, weil ich irgendwas machen wollte. Als ich an der Wohnzimmertür ankam, wusste ich aber schon nicht mehr, was dieses Irgendwas denn war. Zudem war ich völlig aus der Puste, völlig kaputt. Nach zweieinhalb Metern? Das passierte mir mehrmals. Ich bemerkte das generell und in der auftretenden Häufigkeit im Moment des Geschehens aber nicht.

Und dann dämmerte ich zwei Mal weg. Ich kann nicht sagen, für wie lange. Aber ich war definitiv weg, nicht mehr bei Bewusstsein! Ich weiß nicht, wie ich das für euch nachvollziehbar beschreiben soll, da von euch wahrscheinlich noch Niemand wie ich in einer Unterdruckkammer gesessen hat und so die Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff unter medizinischer Aufsicht an sich erleben durfte.

Als ich nun aber das zweite Mal weggedämmert war und wieder wach wurde, da wurde mir etwas schlagartig klar, ich litt unter massiver Sauerstoffunterversorgung! Mit einem Mal fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich erkannte die gleichen Symptome aus meinem Besuch in der Unterdruckkammer an mir. Auch Symptome die ich hatte, kurz bevor mir ein Flugmediziner die Atemmaske und damit die Sauerstoffversorgung wieder vor das Gesicht klappte und am Helm einrasten ließ, damit ich nicht Bewusstlos werde.

Ich will auch überhaupt keinen Hehl daraus machen, dass in dem Moment wirklich extreme Panik in mir hoch kam! Ich saß eben nicht in einem Flugzeug in 10.000 Metern Höhe, wo man einfach einen rapiden Sinkflug auf 3.000 Meter einleitet und dann ist alles wieder gut! Ich saß ganz allein frierend, verwirrt und fast schon handlungsunfähig bzw. noch viel schlimmer handlungsunwillig in meiner Bude. Sollte ich noch einmal wegdämmern und nicht wieder aufwachen, dann wäre es das! Für mich einfach nur extrem angsteinflößend! Einer dieser Momente, in dem ich mal wieder erleben durfte, dass Wissen nicht nur positiv ist...

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Ich war mir der Situation schlagartig bewusst und wirklich ganz ganz kurz davor, den Rettungsdienst zu rufen! Ich hatte das Telefon schon in der Hand. Irgendwie ist der menschliche Körper aber ja auch ein absolutes Wunderwerk. Denn aufgrund der aufsteigenden Panik in mir, entglitt mein Blutdruck massiv! Laut Aussage mehrerer Ärzte war das in dem Moment für mich und die Linderung meiner prekären Lage sehr sehr förderlich.

Ich hatte massive Panik. Mein Herz pumpte so stark und schnell, dass mein Brustkorb förmlich bebte. Plötzlich empfand ich meine Atemnot angesichts der Blutdruckentgleisung gar nicht mehr als so dramatisch. Ich hatte da ein Problem, dessen Lösung ich zu wissen glaubte. Ich versuchte also mit einigen medizinischen Maßnahmen, positivem Denken und absoluter thematischer Ablenkung diese massive Blutdruckentgleisung und die Panik in mir zu bekämpfen. Und ihr glaubt gar nicht, wie schwer es selbst an jenem Wochenende war, eine Sendung im Fernsehen zu finden, die nicht mit Corona zu tun hat... Aber es gelang mir! Wissen ist eben auch gut.

Das war mit Abstand die schlimmste Ausprägung meiner Symptome und ich jedenfalls schenkte der Aussage der Ärztin am Telefon überhaupt keinen Glauben mehr! Fragen kamen auf. Fragen wie Warum lässt man mich nicht testen? Lebe ich in Deutschland, einem der bestentwickelsten Ländern der Welt oder in einem Drittweltland? Sollte ich in einem solchen Land echt einfach auf der Couch verrecken? Das kann doch nicht wahr sein?!

Ich fühlte mich massiv allein gelassen! Blieb das so und wie entwickelte sich mein Zustand? Mehr dazu dann im letzten Post dieser Trilogie.


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